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Jon Lord - Botschafter des 2. "Zermatt Unplugged"

 Jon Lord, was verbindet Sie mit Zermatt?

Jon Lord: Ich habe diesen Ort im Dezember 1971 zum ersten Mal besucht und mich auf der Stelle in ihn verliebt. Seither bin ich jedes Jahr mindestens zwei oder drei Mal dort, meist im Winter zum Skifahren, hin und wieder auch im Sommer zum Wandern. Seit acht Jahren besitzen wir sogar eine kleine Wohnung.

Wie kommt es, dass Sie nicht nur bei „Zermatt Unplugged“ auftreten, sondern auch Botschafter des Festivals sind?

Wir haben in Zermatt über die Jahre viele wundervolle Freunde gewonnen. So bin ich vor einigen Jahren Tom Sterchi begegnet. Ich fand seine Festival-Idee toll und Zermatt für ein solches Event wunderbar. Es war mir deshalb eine Freude und Ehre, als er mich nicht nur bat, dort aufzutreten, sondern auch zusammen mit meiner guten Freundin Anni-Frid das Patronat zu übernehmen.

Jammen Sie manchmal mit der ehemaligen Abba-Sängerin?

Wenn wir in Stimmung sind, kann das passieren ... Wir geniessen es aber, dass uns hier niemand drängt. Die Leute respektieren deine Privatsphäre. Sie wissen, dass du in deiner Freizeit und zu deinem Vergnügen hier bist. Als ich noch im Hotel Post abstieg, spielte ich in der Bar trotzdem oft bis spät in die Nacht Klavier. Das waren herrliche Zeiten!

Spielten Sie Abba-Oldies oder sang Anni-Frid „Child In Time“?

Ich würde dieses Lied nur zu gerne einmal von ihr hören! Vielleicht käme das besser heraus als wenn ich Abba spielen würde, denn das sind brillant konstruierte, anspruchsvolle Popsongs. Ich würde mir „Dancing Queen“ nie zum Jammen aussuchen ... (lacht)

Waren Sie schon auf dem Matterhorn?

Wir sind mit dem Heli bereits einmal zum Gipfel geflogen, aber ich hatte nicht den Mut auszusteigen und mich auf Skiern zu Tal zu stürzen. So tollkühn bin ich nicht!

Habe Sie Zermatt bereits ähnlich wie Montreux in ”Smoke On The Water“ in einem Lied verewigt?

Ja, doch „The Mountain“ ist ganz anders als unser berühmtester Song. Ich habe dieses vom Matterhorn inspirierte Instrumental-Stück 1998 für mein Soloalbum „Pictured Within“ komponiert und dabei versucht, den verblüffendsten Berg, den ich kenne, mittels Musik zu beschreiben.

Seit Sie Deep Purple 2002 verlassen haben, komponieren Sie wieder vermehrt für klassische Orchester. Was reizt Sie daran?

Schon lange bevor ich wusste, was Rock’n’Roll ist, mit etwa sechs Jahren, nahm mich mein Vater zu einem Symphonie-Konzert mit. Ich war bezaubert vom Klang des Orchesters. Es ist ein riesiges Instrument. Nur schon der Gedanke fasziniert, dass 70 oder 80 Musiker etwas zum Leben erwecken, was in deinem Kopf entstanden ist!

Wie fühlte es sich an, als Sie im März Ihr legendäres „Concerto For Group And Orchestra“ in Australien wieder aufgeführt haben?

Alle waren viel entspannter als 1969. Ich bin mit dem Stück, in dem ich eine Synthese aus Rock und Klassik anstrebte, nun viel vertrauter und habe inzwischen die Gewissheit, dass es ein mutiges, revolutionäres Werk war. Heute wird dies auch geschätzt, während uns das Royal Philharonic Orchestra bei den damaligen Proben die kalte Schulter zeigte, ehe es sich für die Aufnahme einen Ruck gab.
Welches waren die Hauptgründe für den Ausstieg bei Deep Purple?

Wir hatten eine tolle Zeit, aber nach dreissig Jahren wollte ich sehen, wie es ausserhalb dieser Blase aussieht. Wir waren immer noch so viele Monate im Jahr auf Tournee, dass ich nie genügend Zeit hatte, um meine verschiedenen Projekte in die Tat umzusetzen. Jetzt habe ich alle Freiheiten und nutze sie!

Was vermissen Sie von Ihrem früheren Leben am meisten?

Die Kameradschaft. Wir sind zwar Freunde geblieben, aber wir sehen uns viel seltener und erleben die Freundschaft nicht mehr so intensiv. Wenn wir im Hotel, in der Garderobe, am Flughafen oder im Bus warten mussten, war es toll, dass wir den gleichen Humor hatten. Und natürlich genoss ich es, vor 10'000 Fans aufzutreten und die Energie des Hardrocks zu spüren.

War Ihr Rückzug auch eine Absage an die Gesetze des Marktes?

Mit Sicherheit vermisse ich die moderne Musikindustrie nicht! (lacht) Es ist nicht so, dass ich sie hassen würde. Aber ich bin ernüchtert und traurig darüber, in welche Richtung sich sich entwickelt hat. Ich finde, dieses Geschäft, das ich einst geliebt habe, ist herzloser geworden.

Was sagen Sie dazu, dass der warme Sound der Hammond Orgel im Pop momentan ein Comeback feiert?

Ich freue mich natürlich, dass dieses Instrument, dass unter dem Einfluss von Keith Emerson, Rick Wakeman und mir vor vierzig Jahren in der Rockmusik populär wurde und zwischenzeitlich verschwunden war, wieder entdeckt wird. Als ich kürzlich das Intro des Hits von Leona Lewis hörte, dachte ich zuerst, das wäre ich! Aber dann konnte ich mich an die Aufnahme erinnern ... (lacht)

Was erwartet die Besucher Ihres Zermatter Konzerts?

Ich werde mit der elfköpfigen Gemini-Band vor allem ruhigeres Material von meinen jüngeren Solo-CDs „Pictured Within“ und „Beyond The Notes“ spielen, einige Lieder des 76er-LP „Sarabande“ und vielleicht einen Deep Purple-Song, wenn ich einen finde, der auch unplugged funktioniert.

Jon Lord wurde am 9. Juni 1941 in Leicester geboren. Er bekam schon als Kind klassischen Klavierunterricht, wandte sich dann aber dem Rock’n’Roll zu. 1963 spielte er in einer R&B-Band erstmals elektrische Orgel. Danach avancierte er mit Gitarrist Ritchie Blackmore und Sänger Ian Gillan zum tragenden Pfeiler der Hardrock-Legende Deep Purple und stilbildenden Hammond-Orgel-Spieler.

Das Interview führte Reinhold Hönle

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