Am 15. Juli 1836 ersteigt der Berner Botaniker und Schriftsteller Dr. med. Samuel Brunner bei strahlendem Wetter „den Mittelpunkt der ganzen dasigen Gletscherwelt, den Rifel- oder Refelstock“. Er gedenkt in der deutschen botanischen Zeitschrift „Flora“ (1837) – vermutlich dem ersten bekannten Hinweis ausführlicher Art über den Riffelberg -
„der erhabenen Einsamkeit, welche er für die Mannigfaltigen der Ansichten mit jeder andern Schweizer Gegend aufnehmen darf, in Grossartigkeit aber die meisten hinter sich lässt…Der Freund wilderhabener Naturscenen aber versäume es nicht den nahen Riffelberg zu ersteigen, welcher ihn für alle Mühe reichlich belohnen wird.“ (Dr. med. Samuel Brunner, 1837)
1839
Im August 1839 erreicht der bedeutende Neuerburger Naturforscher Edouard Desor, mit sechs Kollegen, darunter die bekannten Gelehrten Louis Agassiz und Bernhard Studer von Bern via Gemmi Zermatt. Sie entschliessend sich auch zur Besteigung des Gornergrats (zumindest erfolgte die Besteigung bis Rotenboden). Obwohl der Name nirgends explizit erwähnt wird, ist die Tour dennoch zu erkennen.
„Beim Verlassen des Waldes wird der Weg, der bis jetzt sehr steil gewesen ist, weniger beschwerlich. Die Wanderung geht über Alpenweiden, die sich bis zum Riffelgrat hinaufziehen. Schon von hier aus ist die Aussicht herrlich. Die Entfernung bis zum Gipfel betrug ungefähr nur zwei Stunden, aber das Steigen war stellenweise mühsam. Glücklicherweise fesselte uns bei jedem Schritt irgend etwas Interessantes: eine unbekannte Pflanze, ein merkwürdiges Felsgebilde, ein seltener Käfer oder sogar ein Schmetterling, der uns die Müdigkeit vergessen liess. Gewöhnlich wird während des Steigens wenig gesprochen. Langsam und schweigend gingen wir auf die letzte Erhöhung zu, von der aus wir den Fuss der grossen Kette zu entdecken hofften. Es ist schwer, zu beschreiben, was man empfindet, wenn man inmitten einer grossen Szenerie auf neue, vielleicht noch mannigfaltigere, noch mächtigere Ausblicke wartet. Was es auch für Ideen sein mögen, die einem verfolgen, wissenschaftliche oder andere: man hängt ihnen nicht nach, zieht keine Schlüsse. Flüchtig und unzusammenhängend sind die Gedanken. Nur den einen Wunsch kennt man: schon oben zu sein! Und wenn uns nur noch ein paar hundert Meter von der Spitze trennen, dann eilt man, um als erster oben anzugelangen. Ein Gipfel steigt am Horizont empor, - noch einer und noch einer. Aber welches ist der Monte Rosa?“ (Edouard Desor, 1840)
1844
Der Waadtländer Dichter Justine Olivier, bewundert die Pracht und Grösse der überwältigenden Gebirgslandschaft und schreibt in der von ihm redigierten „Revue Suisse
„…remplissant nos yeux et notre âme de cette majesté souveraine, de cette pure splendeur“ (Juste Olivier, 1844)
1848
In den frühen Jahren war der „Rotenboden“ der bevorzugte Aussichtsstandort. Mit der Entwicklung des Tourismus in den Alpen, wird der Riffel – vermutlich der früher gängige Name für das Gebiet am Gornergrat – von den Herren John Murray und Karl Baedeker immer ausführlicher beschrieben. In Baedekers Reisehandbuch „Die Schweiz“, erstmals 1844 erschienen, bespricht er Zermatt kurz in der zweiten Auflage von 1848, empfiehlt dann aber auch gleich den Riffelberg als lohnenden Ausflug. In der Ausgabe von 1856 erfolgt schliesslich der Hinweis auf die Kulmhöhe.
Am 30 August 1848 bewundert der weitgereiste und bedeutende englische Mediziner und Hofarzt Dr. John Forbes (1787-1861) das Panorama auf Gornergrat-Kulm und beschreibt dies als „etwas vom Schönsten und Grossartigsten, was die ganze Erde zu bieten hat“. (Dr. med. John Forbes, 1848)
1849
Murrays berühmtes „Handbook“ nennt ihn in der ersten Ausgabe des Reiseführers (1838/39) noch nicht. In der Ausgabe von 1849 wird der grösstenteils mit Maultieren erreichbare Riffelberg als „the most usual excursion“ empfohlen, die Gornergrat Kulmhöhe jedoch erst 1852 und besonders 1854.
1850
Der Zürcher Theologie-Professor Melchior Ulrich (1802-1893), kühner Alpinist, Verfasser der 1850 erschienenen Schrift „Die Seitenthäler des Wallis und der Mont-Rosa“ und 1867-69 Zentralpräsident des Schweizer Alpen-Clubs beschreibt die Aussicht vom Riffelberg als „vollkommene Rundansicht“ und formuliert: „Der Riffelberg bildet ein Vorgebirge in das Eismeer hinein“ (Melchior Ulrich, 1850)
1859
Berlepsch beschreibt in seinem „Schweizer Führer“ den Gornergrat als „die schönste und besuchteste Partie mir dem grossen Pracht-Panorama“ (Berlepsch, 1859)
1878
Mark Twain, der bekannte amerikanische Schriftsteller, besteigt im August 1878 den Gornergrat und geniesst bewundernd das Gornergratpanorama:
„Ich hatte von dem hohen Sitze aus einen grossartigen Blick auf den Monte Rosa und scheinbar auf den ganzen Rest der Alpenwelt. Eine mächtige Schar von Schneegipfeln türmte den Horizont auf. Unverstellbar war die Pracht des von der Sonne beschienenen Alpenschnees. Nirgends gibt es eine solche Ausstellung von Grösse und Schönheit, wie sie vom Gornergratgipfel geschaut werden kann“. (Mark Twain, 1878)
1897
1896 transportierte die Visp-Zermatt Bahn rund 30‘000 Gäste ins Matterhorn-Dorf, von denen fast jeder – damals zu Fuss – nach dem berühmten Aussichtsberg Gornergrat strebte. Die veranlasste Edward Whymper zu folgender Aussage zum Gornergrat:
“der populärste aller Ausflüge, die von Zermatt aus gemacht werden.“ (Edward Whymper, 1897)
1898
20. August 1898
Anlässlich der Eröffnung der höchstgelegenen Eisenbahnlinie des Kontinents richtet Herr Haag, Teilhaber der Baufirma Haag und Greulich, folgende Worte an die versammelten Gäste:
„Seid uns gegrüsst an dieser Stelle, auf der vor kurzer Spanne noch hoher Schnee lag. Mit der höchsten Bergbahn Europas haben wir euch in angenehmer Fahrt auf diese Höhe geführt. Die Bahn ist sicher erstellt. Mit gutem Gewissen dürfen wir sie heute dem öffentlichen Verkehr übergeben. Und nun – geniesst das grossartige Schauspiel, das sich hier bietet“. (Augst Haag, 1898)
1925
François Gos (1880-1942), der bekannte Schweizer Maler und Autor, schreibt in seinem Buch „Zermatt und sein Tal“ (1925) zum Gornergrat:
„Um einen vollständigen Eindruck dieser wunderbaren Gegend zu bekommen, müsste man sie im Flugzeug überfliegen, oder, was einfacher ist, sie vom Gornergrat aus betrachten, wo ein überraschendes Bild vor dem Beschauer sich ausbreitet. Nicht nur die ganze, weite Bergwelt hat man da vor sich; gegen unten entfaltet sich auch das Tal, mit seinen weissen Kirchen und Kapellen, den kleinen blauen Seen, die in Alpweiden hineingestreut liegen, die Weiler und all die vielen Zickzackwege zwischen ihnen. Welch ein tiefes Verlangen packt uns bei diesem Anblick, das vor uns liegende Land nach allen Richtungen zu durchstreifen, alles zu sehen und kennen zu lernen und den ganzen unendlichen Reiz dieser Gegend in sich aufzunehmen, der uns auf lange Zeit hinaus beglücken müsste. Dem, der die Bahn zum Gornergrat benützt, unterbrechen zunächst noch Tunnels die Folge des Panoramas. In der Dunkelheit wechselt der Zug seine Richtung. Man ist verwirrt in all dem Rütteln und Dröhnen. Manchmal hebt sich eine bestimmte Form von den fliehenden Wänden ab, einförmige Flächen, Grau in Schwarz. Dann erscheint plötzlich eine helle Stelle, vergrössert sich zu einem Kries und wird zur blendenden Helligkeit eines Sonnentages. Jetzt tauchen auch die Arven auf mit ihrem dunklen Gerät, und hinter ihnen überall die Schneegipfel, bis die scharf ausgeprägte Waldgrenze das Grün verdrängt und das strahlende Weiss uneingeschränkt zur Herrschaft gelangt.“ (François Gos, 1925)
1930
Lectio Brevis
„Als ich noch ein ganz wilder Bergfex war, musste ich mir auf dem Gornergrat von einem alten Frauchen eine Abfuhr gefallen lassen, die mir für Lebenszeiten im Gedächtnis geblieben ist. Ich betrat den überwältigenden Punkt zum erstenmal. Unwillig sah ich die Ansammlung der mit dem „Bähnli“ Angekommenen: die Stöckelschuhe, den Sonnenschirm und all die Zutaten, die dem Bergsteiger so unangenehm auf Herz und Nieren fallen. , rief ich patzig, - Ich wollte noch weiter quasseln, aber da fühlte ich mich am Rockzipfel gezupft. Ich blickte mich um und sah ein steinaltes Mütterchen, das mich mit unendlich gütigen Augen anlächelte. , sagte sie, , fügte sie in lustiger Schalkheit dazu, Was drum herum stand, schüttelte der alten Frau gerührt die Hand, und ich verschwand beschähmt um die Ecke.“ Arthur Wehrlin (Aus: Von der Bernina zum Matterhorn, heitere Plauderei über Graubünden, Uri und Oberwallis 1. Januar 1930)