Zermatter Flora: Das Blumenparadies zum Entdecken

Botaniker sind sich einig: Die Zermatter Flora ist ein Eldorado für Blumenfreunde. Hier entdeckt man spezielle Blumen und Gräser, die weltweit einzigartig sind. Das Schöne für die Zermatter Gäste: es ist einfach, diese Blumen zu entdecken – dank der Bergbahnen und den 400 km Wanderwegen.

Edelweiss, Enzian und Alpenrose – das sind die Stars und die bekanntesten Alpenblumen. Doch in Zermatt gibt es auch echte Raritäten: Schnee-Edelraute, Niedrige Rapunzel, Stein-Klee, Doldentraubiges Täschelkraut. Sie sind einzigartig weltweit – Fachleute nennen sie darum Endemiten. Das sind Pflanzen, die nur in einer bestimmten, räumlich klar abgegrenzten Umgebung vorkommen. Zermatt hat mindestens sieben solche Endemiten.

Doch was braucht es, um diese seltenen Blumen zu entdecken? Sicher etwas Fachkenntnis, sowohl über Blumen als auch über die geologischen Gegebenheiten. Edelweiss lieben beispielsweise kalkhaltige Böden, während Arnika lieber in silikathaltigen, sauren Böden spriessen.

Man nehme: Gutes Schuhwerk, eventuell ein Bestimmungsbuch oder die Smartphone App des Standartwerkes „Flora Helvetica“ sowie eine Lupe. Denn mit der Lupe lassen sich die kleinen Widerhaken an den Spitzen der Kelchblätter der Niedrigen Rapunzel besser sehen. Zermatter Hotspot für florale Entdeckungen: Der Wanderweg Rotenboden-Gornergrat über die Seitenmoräne des Gornergletschers. Er bietet die grösste Vielfalt an seltenen Blumen auf kleinstem Raum. Eine Wegpassage erfordert Trittsicherheit und Schwindelfreiheit.

Sensible Ökosysteme

Der Südhang am Gornergrat ist ein sehr sensibles Ökosystem. Darum sind die Wanderer gebeten, die Wege nicht zu verlassen. Nur schon das Betreten der Gebiete kann den extrem trittempflindlichen Pfanzen schaden. Eine Bergwiese auf dieser Höhe braucht Hunderte von Jahren, um sich zu entwickeln und zu festigen. Je nach Jahreszeit – der Weg beim Gornergrat ist ab Juni begehbar – finden sich nebst Edelweiss: Niedriger Rapunzel, Alpen-Aster, Alpen-Steinkraut, Doldentraubiges Täschelkraut, Gletscher-Edelraute, Hallers Küchenschelle und Hallers Greiskraut, Schleichers Enzian und der fein behaarte Stein-Klee.

Bequem Blumen erwandern

Wer grosse Wandermühen scheut, kann bequem einem Lehrpfad folgen. Beispielsweise dem Blumenweg bei Sunnegga. Hier leuchten im Alpengras je nach Saison Schwefel-Anemonen, Enziane oder die violetten Küchenschellen. Wer in die einsame Natur gehen will, folgt dem Botanischen Lehrpfad, der Richtung Trift führt. Hier sind Edelweiss und verschiedene Orchideenarten zu entdecken. Auf beiden Wegen erklären Hinweistafeln das Zusammenspiel und die Eigenheiten der Natur und Pflanzen.

Einzigartige Umweltbedingungen

Die unterschiedlichsten Komponenten tragen zur Artenvielfalt der Zermatter Flora bei. Deshalb wachsen in Zermatt sieben endemische Pflanzen: Schnee-Edelraute, Niedriger Rapunzel, Stein-Klee, Doldentraubiges Täschelkraut, Hallers Greiskraut, Gefranste Segge und Behaarte Polster-Miere.

  • 39 über 4000 Meter hohen Berge schützen Zermatt von drei Seiten her. Darum ist das Klima sehr trocken.
  • Zermatt weist die höchst gelegene Waldgrenze im Alpenraum auf. Sie liegt zwischen 2400 bis 2500 Metern.
  • Einige Gebiete der Zermatter Berge ragten während der letzten Eiszeit aus dem Eismeer. Das heisst, einige Pflanzen stammen aus der Zeit vor der letzten Eiszeit. Beispiel: Niedrige Rapunzel.
  • Nirgendwo sonst im Alpenraum finden sich so viele verschiedene Gesteinsarten. Vier geologische Zonen vereinen sich mit unterschiedlicher chemischer Zusammensetzung.
  • 75 Prozent des Gemeindegebietes sind Naturschutzgebiete von nationaler und internationaler Bedeutung. Die Vegetationsgebiete von internationaler und nationaler Bedeutung umfassen insgesamt 6,2 km2.

Botanischer Lehrpfad

Zermatt – Trift: 3,5 km, 2.10 h, 734 m Höhendifferenz, begehbar Juli bis September. Die lokale Blumenwelt wird auf den Tafeln entlang des Weges erklärt. Zu sehen: Zahlreiche Orchideen, beispielsweise Knabenkraut (Mai-Juni), Edelweiss, Alpen-Aster, seltene Gräser. Wer sein Auge für das unscheinbare Edelweiss noch nicht geschult hat, halte nach der Alpen-Aster Ausschau. Sie lebt in denselben Gebieten wie das Edelweiss (Juli bis Mitte August).

Edelweissweg

Zermatt – Alterhaupt (Pension Edelweiss) – Trift – Höhbalmen – Zmutt – Zermatt. 18,8 km, 7.30 h, 1‘047 m Höhendifferenz, begehbar Juni bis Oktober. Für anspruchsvolle Wanderer, spektakuläre Sicht zur Matterhorn Nordwand und das Monte Rosa-Massiv. Wie der Name schon sagt: Hier sind die Edelweiss zahlreich, im Trifttal schreitet man praktisch auf Augenhöhe an ihnen vorbei.

Blumenweg

Blauherd – Tuftern – Sunnegga. 4,3 km, 1.20 h, 363 m Höhendifferenz, begehbar Juni bis September. Thementafeln.

Geführte Wanderungen

Botanisch Interessierte können an Wanderungen teilnehmen, die von einem versierten Botaniker geführt werden. Sie finden auf Anfrage im Juli und August statt. Informationen bei Zermatt Tourismus.

 

Literatur:

  • „Die Reichtümer der Natur im Wallis – Die Pflanzenwelt von Zermatt“, Christoph Käsermann/Fabian Meyer / Arnold Steiner. Aus der Sammlung: Umweltdepartement des Kantons Wallis, 2003, Rotten Verlag Visp.
  • „Flora Helvetica“, Konrad Lauber, Gerhart Wagner, Haupt Verlag Bern
  • „Die Reichtümer der Natur im Wallis – Seltene Blumen des Wallis“, Egidio Anchisi. Aus der Sammlung: Umweltdepartement des Kantons Wallis.
  • Bilder: Copyright Konrad Lauber, Haupt Verlag Bern.
  • Der Artikel ist in freundlicher Zusammenarbeit mit Olivier Putallaz, Biologe, vom Büro buweg, Visp, enstanden.

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