Alpine Kompetenz: Zermatt, das Eldorado für Bergsteiger

Bergsteiger lieben Zermatt: Ob klettern, Hoch- oder Skitouren, die Berge locken, fordern heraus, lassen den Alltag vergessen – die Erlebnisse sind grenzenlos. Aber warum sind die Zermatter Berge das Schweizer Eldorado für Bergfreunde? Und warum ist die Kompetenz der Zermatter Bergführer legendär? 

„In Zermatt hat es für jedes Niveau Berge zum Klettern“, sagt der Zermatter Bergführer Richi Lehner. Seit 20 Jahren führt er Gäste auf die Gipfel rund um Zermatt. Er weiss aber auch um die Gefahren, die diese Berge „bergen“, wenn Bergsteiger sich überschätzen. Unter den über 80 lizenzierten Bergführern von Zermatt, Täsch, Randa und St. Niklaus sind viele auch in der Ausbildung von Bergführern sowie in der Bergrettung tätig. Sie werden zu Expeditionen auf der ganzen Welt gerufen. Ihre Kompetenz und ihr Können ist legendär – seit Generationen.

Das Matterhorn, der magische Berg

Der meist fotografierte Berg der Welt zieht die Bergsteiger magisch an. Das Matterhorn mal schnell zu besteigen reizt viele. „Die Tour aufs Matterhorn ist eine der schönsten Klettertouren auf einen Viertausender in den Alpen. Am besten mit einem Bergführer, bei wenig Alpinisten am Berg,“ sagt Richi Lehner. Machmal ist der Hörnligrat, die bekannteste Route, überfüllt: im Sommer, wenn das Wetter ein grösseres Zeitfenster für die Besteigung zulässt, klettern bis zu 150 Personen am berühmten Hörnligrat. Zeitdruck und mangelnde Vorbereitung, Unterschätzung des Berges und Überschätzung des eigenen Könnens können Bergsteiger am Matterhorn aber in grosse Schwierigkeiten bringen: „Es ist nicht der Schwierigkeitsgrad des Kletterniveaus, der das Matterhorn gefährlich macht“, sagt Bergführer und Bergretter Richi Lehner. Sondern viel mehr ist es die Schwierigkeit, im brüchigen Gneis-Gestein, im Labyrinth von Türmmen und Couloirs im Dunkeln die richtige Route zu finden. Zudem kann das Wetter schnell ändern.

Die Zermatter Bergführer haben Routine, unter anderem auch im Beurteilen der Fähigkeiten ihrer Gäste. Matterhorn-Kandidaten müssen Trittsicherheit, absolute Schwindelfreiheit sowie gute Kondition zeigen. Ist das nicht der Fall, rät der Bergführer von der Tour ab. Bei Unfällen der letzten Jahre waren selten lokale Bergführer involviert.

Für jedes Bedürfnis ein Berg

Die Bergwelt rund um Zermatt bietet alles, was das Herz der Bergfreunde höher schlagen lässt: 38 Viertausender. Mit Eis, Gletscher, Schnee, Nordwänden, mit langen und kurzen Zustiegen. Da die Bergwelt um Zermatt herausfordernd ist und sich die Verhältnisse unter anderem auch wegen der Klimaerwärmung von Jahr zu Jahr ändern können, empfiehlt es sich, für Touren immer einen Bergführer zu engagieren. Die Investition lohnt sich nicht nur aus Sicherheitsgründen, sondern auch wegen des Erlebnisses: Die Bergführer bringen Sicherheit ins Spiel, das erhöht den Genuss. Sie kennen die Berge genau, haben Erfahrung, können viel erzählen.

Grosse Tradition in der alpinen Kompetenz

Die Zermatter Bergführer gehören zu den besten der Welt. Viele der Aktiven sind in der zweiten, dritten, ja vierten Generation Bergführer. Das Wissen wurde über Generationen aufgebaut. Nur in wenigen Bergdestinationen ist diese Kompetenz so ausgeprägt, „nebst Zermatt zum Beispiel noch in Grindelwald oder Chamonix“, sagt Richi Lehner. Er ergänzt: „Die Zermatter Bergführer haben über Generationen in der ganzen Welt ihre Spuren hinterlassen, viele von ihnen waren bei Erstbesteigungen dabei.“ Rund 20 der Zermatter Bergführer leben alleine vom Tourenführen als Bergführer, sie begleiten ihre zahlreichen Stammgäste in den Himalaya, nach Grönland, Alaska, Südamerika oder ins Elbrus-Gebirge. Auch im Bergrettungswesen waren und sind sie führend und haben mit Pionierleistungen weltweit Menschen aus schwierigen Lagen befreit. Die Entwicklung der Longline-Rettungstechnik aus Felswänden haben sie zusammen mit dem Helikopter-Unternehmen Air Zermatt entwickelt, ebenso die Gletscherspalten-Rettung mit dem Dreibein. Es erlaubt dem Retter, Verunglückte mittels Seilwinde aus dem kalten Gefängnis zu befreien.