Zermatt: der Überlebenskampf der Pionierinnen

Die Natur rund um Zermatt zeigt in vielen Bereichen Superlative. Die höchsten Berge des Alpenbogens, die höchste Waldgrenze. Und nun ist es offiziell: in Zermatt stehen die höchstgelegenen Bäume der Schweiz. Pionierinnen wie Arven und Lärchen.

Im Bereich des Unterrothorns (3‘103 m) steht der vermutlich höchstgelegene Baum der Schweiz. Es ist eine zähe, 11 Zentimeter kleine Arve. Sie wächst als einsame Pionierin auf 2‘765 m. Dies hat die Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL im September 2015 mitgeteilt. Eine Forschergruppe rund um Urs-Beat Brändli nimmt Bäume ins Logbuch des Schweizerischen Landesforstinventars (LFI) auf. Nun haben die Forscher in einer Felsspalte am Unterrothorn diese Mini-Arve gefunden.  

In der Literatur gab es Hinweis von anderen Tälern, die ebenfalls hoch gelegene Bäume verzeichnen, so etwa im Gebiet von Saas Fee. Doch die Forscher vermuten, dass es weitere sehr hoch gelegene Überlebenskünstler gibt. Darum rufen sie auch Laien dazu auf, Meldung über hoch gelegene Bäume zu machen (siehe ganz Link unten).

Noch eine Pionierin in höchster Höhe

Zermatt ist immer gut für eine Überraschung. So hat der Revierförster vom inneren Nikolaital, Leo Jörger, am 06. September 2015 zusammen mit seiner Frau Marianne eine noch höher gelegene Lärche entdeckt: „Wir haben rein zufällig oberhalb des Lichenbrettersees unterhalb der Bergstation Trockener Steg eine Lärche gesehen. Auf 2‘800 m!“ Das bedeutet neuer Rekord: „Wir werden diesen Fund ebenfalls dem LFI melden“, sagt Leo Jörger, seines Zeichens auch Gemeindepräsident von Randa. 

Höchstgelegene Waldgrenze der Alpen

Laut Jörger vereint das obere Mattertal viele Faktoren, die es der Vegetation ermöglichen, höher hinauf zu klettern als in anderen Gegenden. Darum hat das Gebiet von Zermatt die höchst gelegene Waldgrenze – sie ist auf über 2‘300 m, definiert als Waldgebiet mit geschlossenen Beständen. Diese Grenze ist nicht statisch: „In den vergangenen Jahrzehnten entwickelt sie sich ständig in höhere Höhen“, sagt Leo Jörger. Innerhalb von 50 Jahren um bis zu 50 Meter. Einzelne Bäume wachsen sogar bis mehrere Hundert Meter höher. Die Gründe für die höchstgelegene Waldgrenze:

  • Zermatt liegt gleich südlich wie Lugano
  • Die 39 Viertausender rund um das obere Mattertal schützen die Vegetation vor kalten Nordwinden und generell vor Schlechtwettereinflüssen.
  • Dank dieses Schutzes und der Strahlungswirkung auf das Gebirge haben wir ein Kontinentalklima mit der längsten Sonnenscheindauer. Aus diesen Gründen erhöht sich im Tagesverlauf die Temperatur überdurchschnittlich. Wegen diesen häufig hohen Tagestemperaturen im Gebirge kann der Wald bei uns auf Rekordhöhe wachsen.

Kampf ums Überleben

Wenn es den Pionierbäumen wie Arve, Lärche, Birke und Weiden einmal gelungen ist, in grosser Höhe zu keimen und zu wachsen, bedeutet das nicht, dass sie es über Jahre auch tatsächlich zu majestätischer Grösse schaffen. Eine Arve beispielsweise muss erst einmal über 40, ja bis 90 Jahre alt werden, bis sie das erste Mal Zapfen trägt. Diese Pionierbäume können von Lawinen weggefegt werden, unter Steinschlag geraten, verdursten, erfrieren oder von Wildtieren angeknabbert werden. Grössere Bäume können auch Opfer von Blitzschlag werden. Das Schicksal der Pionierinnen kann schlicht und einfach auch die Verkrüppelung oder Verkümmerung sein. Förster sprechen oberhalb der Waldgrenze deshalb auch von der „Krüppelgrenze“.

Tannenhäher, der gefiederte Förster

Der Tannenhäher ist ein schlauer und intelligenter Rabenvogel. Damit er die haselnussgrossen Nüsschen der Arve fressen kann, klaubt er sie mit seinem kräftigen Schnabel aus den Zapfen heraus. Mit bis zu 100 Arvenkernen im Kropf fliegt er weg. Im Umkreis von bis zu 15 Kilometern legt er für den Winter Vorratskammern an. So kommen Tausende von Lagern zustande. Der Tannenhäher bevorzugt Verstecke, die an übersichtlichen Stellen liegen und mit Sonne beschienen werden, damit er im Winter auf der schneefreien Fläche gut an seinen vergrabenen Nahrungsvorrat herankommt. Da er viele Verstecke vergisst, keimen dort Arven. Oft wachsen sie an markanten Stellen in grosser Höhe, weit über der Waldgrenze.

So sind vom Dorf Zermatt aus in grosser Höhe viele Arven zu sehen, die ihr Dasein dem Tannenhäher verdanken. Etwa im Gebiet Schweifinen oder die Schmid’sch Bäumje am Hubel, beides Gebiete in den westlichen Bergen oberhalb von Zermatt. Keimen sie zu Dritt oder Viert und haben zusammengewachsene Stämme, ist es sicher, dass der Rabenvogel am Werk war. Beispiel: Arvengruppe am Wanderweg von Zmutt Richtung Hubel.

 

Der höchstgelegene Baum der Schweiz

Meldeformular für hoch gelegene Pionierbäume

Die Arve – Königin der Alpen

Der Tannenhäher als Förster

Die Lärche

Die Birke

Die Weide


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