Skitester Gianni hat sie alle

Bei Gianni Cabassi im Skitest-Center auf Trockener Steg lassen sich rund 1’000 Paar Ski testen. Gianni hat sie alle: vom Carving-Modell bis zum gerockten Off-Pist-Ski.

Text Mario Wittenwiler
Fotos David Birri

"Bald kommen die angefressenen Skifahrer", freut sich Gianni Cabassi. Der Schneesportlehrer leitet zusammen mit seinem Kollegen Simon Kronig das Skitest-Center in Zermatt auf Trockener Steg, 2939 Meter über Meer. Vom 14. Oktober bis zum 3. Dezember 2017 können rund 1’000 Paar Ski von 14 Skimarken getestet werden: Von A wie Atomic bis V wie Völkl. Ski für den frisch gefallenen Schnee, Ski zum Carven oder Off-Pist-Ski. Im Testcenter sind Skifreaks unter sich. "Und wer jetzt auf dem Gletscher Ski fährt, hat die Pisten praktisch für sich allein", zählt Cabassi die Vorteile eines frühen Skitests auf.

 

Skitest - Matterhorn
Vor der stets eindrücklichen Kulisse des berühmten Berges macht der Skitest doppelt Spass.© David Birri

 

Klar ist: Zermatt ist ein Skiparadies ersten Ranges und während 365 Tagen im Jahr schneesicher. Im Winter flitzt man über 360 Pistenkilometer in Zermatt und im benachbarten Italien. Und auch im Sommer auf immerhin 21 Pisten­kilometern auf dem Gletscher auf Schweizer Seite. Im Herbst erweitert sich dieses fortlaufend. Ende Oktober bereits geöffnet ist der Furggsattel-Gletscherlift.

 

Skitest - Gianni Cabassi Skibindung
Gianni Cabassi kontrolliert eine Skibindung.© David Birri

 

Mit geübten Handgriffen stellt Gianni Cabassi mit dem Schraubenzieher eine Skibindung ein. Die Idee ist, dass ein Gast pro Tag etwa drei bis vier verschiedene Ski testet. Natürlich gäbe es dabei Unterschiede. "Der eine holt sich am Morgen einen Ski, und wir sehen ihn den ganzen Tag nicht mehr. Andere schaffen es, bis zu sechsmal am Tag die Ski auszuwechseln", erzählt Cabassi. "An richtig guten Tagen bedienen wir 700 Personen. Das gibt über 2000 Skiwechsel pro Tag." Die meisten Gäste wüssten schon, welches Skimodell sie ausprobieren wollten. Die Wünsche der Kunden seien eher konservativ. Am gefragtesten sind nach wie vor Slalom- und Riesenslalom-Ski, mit denen man auf der Piste schön carven kann.

 

Skitest - Skibindung
Von Hand wird die Bindung eingestellt. © David Birri

 

"Eine ideale Strecke zum Carven bietet sich am Sessellift des Furggsattelgletschers. Die Piste ist sehr breit und gleich­mässig abfallend", sagt Cabassi. Manchmal könne er einem Gast mit ein bisschen gut zureden auch einen etwas breiteren Ski zum Testen schmackhaft machen. Je breiter ein Ski, desto grösser der Auftrieb im Tiefschnee. "Fast jeder bringt uns die breiten Ski mit einem ebenso breiten Grinsen im Gesicht zurück", sagt Cabassi. Die meisten Skimanufakturen bieten heutzutage neben klassischen Carving-Ski auch Off-Pist-Ski an. So auch die Westschweizer Firma Movement. Zum Tiefschneefahren abseits der Pisten – Off-Pist – unterscheidet man bei Movement der Breite nach zwischen den ­Modellen All Mountain, Freeride und Backcountry. Letztere sind fast so breit wie Wasserski und haben gebogene Spitzen und Enden, so­genannte Rockers. Damit surft man sozusagen auf dem Schnee. Es sind Modelle wie die, die in den letzten Jahren zum erneuten Siegeszug des Skisports beigetragen haben.

Auch viele Snowboarder wechselten zurück auf zwei Latten, weil man das Feeling des "Surfens im Schnee" mit den breiten Off-Pist-Ski genauso erleben kann. Auf den Pisten des Kleinen Matterhorns gibt es auf verschiedenen Streckenabschnitten die Möglichkeit, im Tiefschnee zu surfen. "Für jeden, der abseits der Pisten fährt, ist aber ein vollständiges Equipment mit Lawinensuchgerät, Sonde und Schaufel Pflicht", betont Gianni Cabassi.

 

© Schweizer Illustrierte
Text und Bilder basieren auf der Schweizer Illustrierten-Beilage vom 04. November 2016.