Pilotprojekt in Zermatt: Schafe als Retter in der Not

31.03.2017

Pionier-Arbeit in Zermatt: Diesen Sommer werden Pilotversuche gemacht mit der Integration von Schafen in das alpine Rettungswesen. Einige Schafe sind bereits trainiert, verletzte Wanderer im alpinen Gelände selbständig aufzusuchen, damit diese in optimaler Zeit gerettet werden können. (Sperrfrist: Samstag, 01. April 2017, 06.00 Uhr)

„In der Bergrettung werden wir ab diesem Sommer einen wesentlichen Schritt weiter sein“, sagt Helikopterpilot und CEO der Air Zermatt, Gerold Biner. In Zusammenarbeit mit der Zermatter Schafzüchterin Rebecca Julen (30) wurde ein Programm ausgearbeitet, das Schafe zu Rettungs-Schafen ausbildet. „Neueste Studien belegen, dass Schafe Qualitäten haben, die der Wissenschaft bisher unbekannt waren. Wir Schafzüchter wissen aber schon lange, dass sich Schwarznasenschafe im Gelände unglaublich gut orientieren können“, sagt Rebecca Julen. Zudem seien Trittsicherheit, Schwindelfreiheit, Gelände-Intelligenz und Wetterfestigkeit ausgeprägter als bei Suchhunden. „Unsere Schafe wissen ganz genau, wie sie im Gebirge am schnellsten von A nach B kommen. Damit sind sie für die Hilfe im alpinen Gelände geradezu prädestiniert“, betont Rebecca Julen. Diesen Sommer wird nun das Projekt „Rettungsschaf“ lanciert.

In Zermatt wurde in den 60er Jahren die alpine Rettung entwickelt – mit Helikoptern, Rettungskolonnen aus Bergführern, inklusive Integration von Suchhunden. Damit liegt es auf der Hand, dass man wiederum eine Vorreiterrolle übernimmt und diesen unkonventionellen Schritt wagt: „Die ersten Schafe haben bereits verschiedene Trainingseinheiten absolviert“, sagt Gerold Biner, CEO der Air Zermatt.

Die Vorarbeiten liefen den ganzen Winter. Selektionierte Schafe bekamen im Schafstall ein tiergerechtes Trainingslager. Und so funktioniert das Projekt „Rettungsschaf“: die ausgebildeten Schafe bewegen sich im Sommer zusammen mit ihrer Herde frei auf den Alpenwiesen. Sobald die ausgebildeten Schwarznasenschafe hören oder riechen, dass es einem Wanderer schlecht geht oder er gar am Boden liegt, begeben sie sich sofort zum Verletzten. Da sie ein SOS-Set am Körper tragen, kann sich der Verletzte helfen. Am Set kann der Verletzte einen gut sichtbaren Notfallknopf drücken, der auf der Helikopterbasis der Air Zermatt Schaf-Alarm auslöst. Der Pilot peilt den GPS-Punkt an, der vom Sender des SOS-Sets aus geht. Im Set befinden sich zudem Erste-Hilfe-Arzneien, die der Vermisste benützen kann, bis der Helikopter eintrifft, ähnlich den Bernhardinern mit ihren Schnapsfässchen, den legendären Lebensrettern von damals. „Mit moderner Technik und ortskundigen Schafen arbeiten wir daran, im Rettungsablauf neue Wege zu gehen“, sagt Helikopter-Rettungsspezialist Gerold Biner.

 

Fragen und Interviews
Gerold Biner, CEO Air Zermatt
Telefon: +41 (0)27 966 86 86
E-Mail: gerold.biner@air-zermatt.ch


Schafe als Retter in der Not

Schwarznasenschafe beim Training mit Rebecca Julen von Tradition Julen und Gerold Biner, CEO der Air Zermatt. Das Schaf trägt ein Head-Set, das die sensiblen Schafohren vor dem Helikopterlärm schützt.

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