Erlebnisbericht Winterwandern

Anfangs Januar

Ein Wintertag wie im Bilderbuch wartet auf uns: strahlender Sonnenschein und viel Schnee. Wir wählen die Winterwanderung am Gornergrat. Es ist schon nach 14 Uhr. Aber wir nehmen es locker. Und wissen nicht, dass der Berg seine eigene Art hat, die Winterwanderer zu empfangen.

Kein Stress, Erholung muss sein. Also fahren wir zuerst ganz auf den Gornergrat, um auf der Aussichtsplattform die 29 Berge anzuschauen, die die 4'000 Meter überragen. Das Panorama ist atemberaubend, das Matterhorn zeigt sich majestätisch mit ein paar Wölklein gekrönt. Aber bereits legt sich Schatten ins Tal tief unter uns. Wir als Unterländer wissen das nicht zu deuten. Der Berg wird uns lehren.

Start in Rotenboden

Die Fahrt vom Gornergrat zurück bis Rotenboden ist kurz. Zuerst finden wir die Winterwanderweg-Schilder nicht. Aber ein anderer Tourist gibt uns den Tipp, dass wir beim Bahnhäuschen links gehen müssen. Jetzt sehen wir die Schilder. Zuerst geht es auf unserem Winterwanderweg, der durch ein Pistenfahrzeug gut planiert ist, steil runter. Wir rutschen auf dem Schnee und lachen wie die Kinder. Wir kommen an einem Wegweiser vorbei, der tief im Schnee steckt. Die Schilder sind auf Hüfthöhe. Lustig zu sehen, wie ein solcher Schilderbaum wirkt, wenn der Schnee bis fast unter die Schilder reicht. Wir gehen langsam weiter und geniessen das Panorama. Ab und zu machen wir Foto-Stops.

Schatten birgt unerbittliche Kälte

Wir kommen in ein Gebiet, das vom Riffelhorn mit Schatten bedeckt ist - und die Schatten werden länger und länger. Er taucht den Wanderweg in tiefes Blau. Die Landschaft wirkt jetzt plötzlich weniger einladend, ja sogar ein bisschen einschüchternd. Noch vor wenigen Momenten hatten wir in die Sonne geschaut und herumgealbert. Jetzt schliessen wir die Jacken, die Hände werden klamm und wir sind froh um unsere Schals und Kappen. Wir beschleunigen unsere Schritte, um schnell am unwirtlich wirkenden Berg vorbeizukommen. Er verdeckt einen Teil des Panoramas. Die Kälte piekst die ungeschützten Wangen. Das Mundwerk läuft jetzt nicht mehr so geschmiert wie sonst, denn die Mundwinkel sind steif. Der Berg lehrt uns: schattige Gebiete am Spätnachmittag, auf knapp 3'000 m Höhe sind im Januar eisig kalt, auch wenn die Sonne sonst freundlich und wärmend ist. Wir erfahren: wo die Sonne nicht hinscheinen kann, herrschen schnell arktische Verhältnisse. Wir mummen uns noch mehr ein. Zum Glück können wir die Schattenpartie bald verlassen.

Vor uns zu sehen: immer und immer wieder das Matterhorn. Mächtig steht es da, mit Schnee bedeckter Ostwand. Weil aber auch hier immer mehr die Schatten das Szepter übernehmen, wirkt nun auch dieser Berg völlig anders. Distanziert, kalt, in sich selbst verborgen. Ein paar Wolken umkränzen diesen eindrücklichen Berg. Sie wirken wie hingemalt.

Der beruhigende Blick in die Zivilisation

Weiter geht es bergab, in Schlangenlinien. Der Schnee liegt wirklich hoch, und der Wind hat ihn vielerorts aufgehäuft: überall scheinen mächtige Schneewächten zum Wanderweg kriechen zu wollen. Zum Glück ragen sie nicht in den Wanderweg hinein, dafür haben die Raupen des Planierfahrzeuges gesorgt. Jemand hat ein Herz mit Initialen in den Schnee gezeichnet. Bald sehen wir weiter unten die Kappelle und die Bergbahnstation Riffelberg. Wir sind froh, deutliche Zeichen der Zivilisation vor uns zu sehen. Die Wanderung ist schön und nicht allzu lange. Aber die Schattenkälte des Riffelhorns haben wir nicht vergessen.

Der Tag geht langsam zur Neige, die dunkelblauen Schatten im Tal werden dunkler und dunkler und kriechen bis zu uns hoch. Auf der Rückfahrt nach Zermatt sind wir uns einig: das nächste Mal starten wir früher, um immer die Sonne als Wandergefährten zu haben. Und wir überlegen auch, ob wir nächstes Mal die Schlittelbahn ausprobieren wollen. Eine rasante Schlittenfahrt, das wärs auch! Die Schlittelbahn beginnt auch ab Rotenboden. Sicher ist: wir sind nicht das letzte Mal hier!

Monika und Dominic, Zürich


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