Die schwarz-weissen Sommerstars von Zermatt

Während sechs Wochen geht im Sommer morgens und abends eine Herde Schwarzhalsziegen durch die Bahnhofstrasse von Zermatt. Dann ist Geissenkehr. Zu Tausenden stehen die Gäste den schwarz und weiss gezeichneten Ziegen Spalier und fotografieren sie. Doch was sind Schwarzhalsziegen?

Schwarz und weiss, langhaarig, neugierig, lebendig, selbstbewusst. Das sind die Schwarzhalsziegen, auch Gletschergeissen genannt. Sie sind heute beliebte Zuchttiere und Sympathieträger in Touristenorten. Der Geissenkehr in Zermatt zieht täglich Tausende in seinen Bann – die Fotoapparate blitzten auf, Gäste rennen hinter den Tieren her, um ein Bild fürs Ferienalbum zu knipsen, bevor sich die Ziegenherde in ihr Gädi am Ende des Dorfes zur Abendruhe zurückzieht. Während sechs Wochen, von Anfang Juli bis Mitte August, treiben jeweils Jugendliche aus der Gegend zusammen mit einer erwachsenen Person die Ziegen morgens um 9 und abends um 17 Uhr mitten durch das Dorf.

Ziegen vor dem Aussterben gerettet

Früher waren Ziegen die Kuh des armen Mannes und in den Alpen weit verbreitet. Noch bis in den 60er Jahren wurden sie auch in Zermatt jeweils am Morgen aus den Gaden auf die Wiesen geführt und am Abend im Geissenkehr wieder zurück in die Ställe getrieben, damit sie gemolken werden konnten. Heute sind Schwarzhalsziegen kaum mehr Milchziegen, denn ihre Leistung liegt bei rund 500 Kilogramm Milch pro Jahr. Da gibt es andere Ziegenrassen, die mehr Milch liefern. Dank der Bemühungen verschiedener Zuchtverbände werden die unterschiedlichsten Ziegenrassen in der Schweiz wieder gefördert. So auch die Schwarzhalsziegen. Sie haben den Vorteil, dass sie dank ihres attraktiven Aussehens und ihres lebendigen Charakters vom Menschen auf Anhieb ins Herz geschlossen werden. Und so kommen im Sommer jeweils mehrere Ziegengruppen nach Zermatt, um die Touristen zu erfreuen. Organisiert wird der Geissenkehr von Zermatt Tourismus seit den 90er Jahren. Die Ziegen sind dann sozusagen die Strassenkünstler Zermatts.

Heute beliebter denn je

„Die Schwarzhalsziege wird von vielen Ziegenzüchtern als die schönste aller Schweizer Ziegen gepriesen“, schreibt der Oberwalliser Ziegenzuchtverband auf seiner Homepage. Die selben Ziegen haben noch weitere Namen: Sattelziege, Vispertalerziege, Halsene und in Oberwalliser Dialekt auch Ghalsochtu. Während des Wirtschaftsbooms im vergangenen Jahrhundert drohten die Ziegen von den Oberwalliser Berghängen zu verschwinden. In den 50er Jahren gab es im ganzen Kanton Wallis noch 400 bis 500 Schwarzhalsziegen. Das Walliser Kantonsparlament sprach Ende der Achtziger Jahren einen Kredit von 1,5 Mio. Franken, um die Schwarzhalsziegen vor dem Aussterben zu retten. So stieg der Herdebuchbestand von 1993 bis 2003 von 1429 auf 2424 Tiere.

Tiere mit Charakter

Zusammen mit den Ziegengruppen von andern Züchtern der Umgebung bilden die Ziegen in Zermatt während sechs Sommerwochen eine Herde. Oft sieht man, wie die Ziegen untereinander kleine Machtkämpfe austragen. Ziegen sind die absoluten Feinschmecker – und für die Suche nach dem besten Leckerbissen in ständiger Bewegung. Beobachter, die beim Zermatter Geissenkehr Spalier stehen, werden vielleicht Zeuge, wie eine Ziege kurz aus der Herde ausschert, und sich kurzerhand eine Blume oder ein paar Buschzweiglein, die aus einem Hausgarten durch den Zaun ragen, schnappt und beim Weitertraben genüsslich knabbert.

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