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"Wir haben das Mögliche versucht"

Pilot Dani Aufdenblatten und Flughelfer Richi Lehner gelang am Annapurna die Rettung von drei Spaniern auf 6'950 m. Bisher war noch nie eine Heli-Rettung oberhalb von 6'100 m geglückt. Dani Aufdenblatten über seine Erfahrungen als Rettungspilot im Himalaja. 

WB: Herr Aufdenblatten, was haben Sie als Rettungsflieger bei der Air Zermatt bei Ihrem Aufenthalt im Himalaja gelernt? 

Dani Aufdenblatten, Pilot Air Zermatt: 
"Wo wir aufhören, also auf rund 4'600 m Höhe, beginnt es dort erst. Was die Tiefe der Täler und die Höhe der Gipfel betrifft, ergibt das eine ganz andere Dimension und damit völlig neue Erfahrungen." 

Aber das Fliegen bleibt grundsätzlich gleich? 
"Ja und nein. Die thermischen Winde haben eine ungeheure Kraft. Da können einem auch mal Steine entgegenfliegen. Während unserer Anwesenheit hatten wir ein tägliches Flugfenster von zirka sechs Uhr bis zehn Uhr. Danach kamen jeweils starke Winde und mächtige Quellbewölkung auf."

Wie hoch konnten Sie fliegen? 
"Dem Helikopter sind physikalische Grenzen gesetzt. Die Luftdichte nimmt auf dieser Höhe deutlich ab. Dadurch verlieren die Maschinen zunehmend an Leistung. Bei der , die ich dort flog, gibt Hersteller Eurocopter eine Maximalflughöhe von 7'000 m an." 

Ihre Rettungsaktion am Annapurna glückte auf 6'950 m ü.M. Das war sprichwörtlich am Limit. 
"Nun, am Schluss hat es nach anfänglichen Schwierigkeiten wunschgemäss geklappt." 

Was heisst das? 
"Um auf dieser Höhe die blockierten Bergsteiger an die Longline nehmen zu können, haben wir alles Vernachlässigbare aus dem Heli ausgeladen. Es galt, Gewicht zu sparen. Ausgebaut haben wir auch die Pilotentür, da die Maschine nicht mit einer ausgerüstet war. So konnte ich mich hinauslehnen, um besser sehen zu können. Im Tank war Kerosin für rund 20 Minuten."

Via Funk kontrollierten wir gegenseitig unsere Sinne 

Ist so was überhaupt verantwortbar? 
"Ich denke nicht, dass wir zu viel riskiert haben. Die Verhältnisse waren ideal. Wir haben einfach versucht, was möglich war. Flughelfer Richi Lehrier und ich harmonierten blind. Über den Helmfunk kontrollierten wir regelmässig gegenseitig unsere Sinne." 

Wurde die Konzentrationsfähigkeit auf dieser Höhe beeinträchtigt? 
"In Nepal benutzen die Hell-Crews ab 4'000 m konsequent Sauerstoff. Man kann aber auch so an die Grenzen stossen. Als sich Lehner beim zweiten Anflug auf das Lager IV am Annapurna an der Longline wegen Problemen mit dem Sauerstoffsystem plötzlich unwohl fühlte, brachen wir die Aktion sofort ab." 

Und? 
"Meine Sauerstoffversorgung funktionierte einwandfrei, weil ich nicht, wie Richi an der Longline, dem Fahrtwind ausgesetzt war. Weil ich mich gut fühlte, machte ich nach Absprache mit dem Team alleine weiter. So gesehen sparten wir auch noch Richis Gewicht ein. Lehner konnte die zu rettenden Alpinisten vom Basislager aus per Funk genau anweisen. Das vereinfachte meine Arbeit in der Wand entscheidend." 
Bisher galt eine Rettung aus 6'100 m als Höhenrekord. Nach ein paar Tagen Angewöhnungszeit fliegen Leute der Air Zermatt Menschen aus fast 7'000 m vom Berg. Wie ist so was möglich?
"Die Piloten der Fishtail Air, mit der wir in Nepal zusammenarbeiten, wurden in Russland und teils in den USA geschult. Sie beherrschen ihr Metier bei Personenund Versorgungsflügen sehr gut. Das heisst, sie retten Bergsteiger dort, wo sie ihre Maschine absetzen können."

Als wir auftauchten, dachte ein Geretteter an Halluzinationen

Es fehlt ihnen also die Erfahnmg mit Unterlasten und im steilen Gelände?
"Ja. Die Rettungsfliegerei, wie wir sie hier betreiben, steckt dort noch in den Kinderschuhen. Das betrifft auch die Rettungsspezialisten. Wer keine Ausbildung hat als Bergführer, die Seilknoten nicht beherrscht und noch nie Steigeisen an den Füssen hatte, ist am Berg keine Hilfe. Bei uns machen diesen Job erfahrene Bergführer. Dieses funktionierende Bindeglied, zwischen Maschine und den Verunfallten ist zwingend."

Wie reagierten die am Annapurna festsitzenden Spanier, als Sie auftauchten?
"Bisher gingen die Alpinisten auf dieser Höhe nicht mehr von einer möglichen Luftrettung aus. Einer der Geretteten sagte, bei unserem ersten Auftauchen habe er gedacht, jetzt begännen die Halluzinationen."

Welche Auswirkungen hat Ihre Pioniertat auf das Rettungswesen im Himalaja?
"Unsere Zusammenarbeit mit Fishtail Air soll den dortigen Piloten unsere Möglichkeiten und unsere Standards zeigen. Dazu gehört auch technisches Ausrüstungsmaterial. Die Einsätze am Berg setzen freilich viel Erfahrung voraus. Von einem Tag auf den andern wird sich also noch nichts ändern."

In welchem technischen Zustand befinden sich die in Nepal eingesetzten Fluggeräte?
"Bei Fishtail Air wurden in den letzten drei Jahren mehrere neue Maschinen angeschafft. Mir wurde eine nagelneue mit gerade mal 100 Flugstunden zur Verfügung gestellt. Ein Gerät, das auch in unserer Flotte steht. Der heimische Pilot übergab mir die Maschine und liess mich gewähren."

Dem sagt man grenzenloses Vertrauen...
"Ich staunte auch. Stellen Sie sich das mal umgekehrt vor: undenkbar. Dies umso mehr, als ich in den beiden ersten Tagen ja erst noch die nepalesische Fluglizenz machen musste."

Interview: tr

Walliser Bote 14.05.2010

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