Sprache: Deutsch
Zermatt. No matter what
 

*Zermatt / Matterhorn

„Du wirst nie aufhören zu wandern, Jackie!“

Ihr Vater war ein Schweizer und liebte die Berge. Ihre Mutter war eine Britin und lehrte sie britische Lebensart. Ihren ersten Mann lernte sie 1939 am Fusse des Matterhorns kennen. Schon als Kind wanderte sie mit den Eltern in der Bergwelt um Zermatt. Sie ist 91 Jahre alt. Auf eine Tasse Tee mit Jackie Myers.

Die Sonne steht bereits höher, als wir uns mit Jackie Myers im Hotel Schweizerhof treffen. Es ist nach zehn Uhr. Gewöhnlich steht die 91-jährige Lady um sieben Uhr auf und begibt sich nach einer kurzen Morgengymnastik um 7.30 Uhr zum Frühstück. Sie kann nicht begreifen, warum sich so viele Wanderer erst gegen Mittag aufmachen. Müde und abgekämpft sehen die jungen Leute aus, wenn sie gegen Abend zurückkehren. Ihre Wanderfreundin versteht es sogar, genau solche Wege zu wählen, die schattig sind, damit man kühl bleibt. Als sie Kind war, stand sie mit ihren Eltern um sechs Uhr auf. Jeden Tag gingen sie wandern. Vier Wochen lang machte die Familie Urlaub. Ihr Vater liebte es, Suppe zu machen, wenn sie unterwegs waren. Die Mutter kochte Tee. Dazu gab es Brot und Butter. Das Picknick war stets im Rucksack dabei, denn in den 20er Jahren gab es in Zermatt noch keine Bergrestaurants, keine Helikopter, keine Bergbahnen. Heute kann man überall hingehen. Die Infrastruktur ist sehr gut, aber das Dorf hat sich sehr verändert. Die Berge sind die gleichen geblieben. Der Weg zum „Edelweiss“ oder zum „Hotel du Trift“ ist noch still. Diesen Weg ist sie zum letzten Mal vor sechs Jahren gegangen, doch jetzt ist er ihr zu steil. Sie riskiert nichts mehr und benutzt in diesem Jahr zum ersten Mal Wanderstöcke.

Ist Gehen und Wandern eine Geschmacksfrage? Ihre Familie hatte früher kein Auto. Als kleines Mädchen ist sie vier Mal am Tag 25 Minuten zu Fuss zur „Freien Evangelischen Volksschule“ Basel hin- und zurückgelaufen. Noch heute sagen ihre Freunde: „Jackie, du wirst nie aufhören zu wandern!“ Ihren ersten Mann David Hedgkinson hat sie am Fusse des Matterhorns kennengelernt. Er war Mitglied des British Alpine Clubs. Ihm zu Ehren ist eine Plakette innen in der English Church angebracht. Noch heute macht ihr Herz einen Freudensprung, wenn sie Bergsteiger im Dorf sieht, mit Seilen und Pickel.
Seit vielen Generationen heiraten in ihrer Familie Britinnen Schweizer und Schweizerinnen Briten. Als der Krieg zu Ende war – 1939 verliessen sie die Schweiz und gingen nach Sussex – wurden sie im Hotel Monte Rosa sehr herzlich willkommen geheissen. Es ist so ein schönes Old-Fashioned-Bergsteigerhotel. In diesem Jahr ist sie wegen des Umbaus das erst Mal im Schweizerhof, aber alle sind so freundlich.
Elf Uhr: Sie legt auch mal einen Faulenzertag ein, aber heute ist sie spät dran, weil sie sich langsam akklimatisiert. Wandern hat System. Am ersten Tag ihres Urlaubs spazierte sie von Winkelmatten nach Furi. Heute unternimmt sie eine Wanderung von Tufteren nach Sunnegga und zurück über Findeln. Sie empfiehlt den Riffelsee am frühen Morgen und den schwierigeren Weg zur Täschhütte über den Sattel – Ober Sattla.

Nun ist es Zeit zu gehen. Sie steht in der Drehtür. Helles Kaki, ein grosser bunter Sonnenhut, Wanderstöcke. „Sind Sie auf dem Friedhof gewesen? Es ist beeindruckend. All diese Namen: Perren, Aufdenblatten, Imboden, Taugwalder … Grosse Bergführer.“

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