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Arben-Biwak-Jubiläum: Niederländer und Zermatter feiern

Am 20. Juli 2012 wird das 35-Jahr-Jubiläum des Arben-Biwaks gefeiert. Denn im Jahr 1977 stiftete die Königlich Niederländische Alpenvereinigung (KNAV) dem Schweizer Alpen Club (SAC) eine Hütte, auf die man stolz ist in Zermatt – das Arben-Biwak. Es erschliesst auf 3224 m den Zugang zu den schönsten Klettertouren im Wallis, zum Obergabelhorn, zur Wellenkuppe, zum Zinalrothorn. Jetzt wird das Arben-Biwak mit einem Konzert gefeiert.

Harter Gneis und ein phantastischer Blick auf die Matterhorn-Nordwand: Die 700m hohe Südwand des Obergabelhorns und der Arbengrat gelten als alpinistische Traumrouten. Dass es ausgerechnet Niederländer waren, die die Erschliessung des Gebiets ermöglichten, fusst auf einer langen Tradition niederländischer Bergbesessenheit. 1902 als Nederlandse Alpenvereniging (NAV) ins Leben gerufen, waren die akademisch gebildeten Alpinisten aus den Niederlanden vor allem in der Schweiz aktiv. Niederländische Alpinisten bevorzugten lange Zeit grosse Traversierungen. In den 30er Jahren durchschritt Dr. Abraham Verslys, genannt „Der Fliegende Holländer“, den Zmuttgrat am Matterhorn über zwanzig Mal. Britanniahütte, Allalinhorn, Alphubel, Täschhorn, Dom, Lenzspitze, Mischabelhütte, und das alles an einem Tag. Es gab kaum Zeit zum Sichern und das galt den Niederländern damals als kühn.

Systematische Hüttenpolitik
Auf institutioneller Ebene versuchte man durch Engagement Gastrecht zu erwerben und investierte seit 1933 grosszügig in Schweizer Hüttenprojekte. So wurde die NAV der erste Alpenverein überhaupt, dem der SAC Gastrecht in seinen Hütten gewährte. Als Ende der 70er Jahre das 75-Jahr-Jubiläum der KNAV nahte - die Alpenvereinigung hatte mittlerweile das Prädikat "königlich" erhalten – wollten die Niederländer ein Zeichen setzen. Man wandte sich an den Zentralverband des SAC und offerierte 75'000 CHF zum Bau einer Hütte. In Bern wurden zu jener Zeit die Bestrebungen der Zermatter SAC-Sektion unterstützt. Diese hatte sich gerade vom SAC Sektion Monte Rosa getrennt. Der Zentralverband entschied, der jungen Sektion die Chance für den Bau der ersten Bergunterkunft in eigener Regie zu geben.

SAC Sektion Zermatt und ihr erstes Hüttenprojekt
Betraut mit dem Biwak-Bau war der Architekt August Boyer, als Bauchef verantwortlich für sämtliche SAC-Hütten in der Schweiz. Zusammen mit Jean-Pierre Perreten, Hüttenchef des Arbenbiwak von 1977 bis 1992, und in steter Verbindung mit den Niederländern, krempelte Willy Hofstetter, Präsident des SAC Zermatt, die Ärmel hoch. Die Burgergemeinde stellte den Bauplatz kostenlos zur Verfügung. Architekt Boyer verzichtete auf sein Honorar. 30 Freiwillige aus den Niederlanden campierten über einen Zeitraum von drei Wochen in der Arbengandegge und bauten die Holländerkehre aus. Niederländer, Zermatter und Handwerker leisteten Schwerstarbeit. Ein Schlechtwetter-Tief führte dazu, dass nicht budgetierte 1000 Arbeitsstunden der Maurer zu Buche schlugen. In einem Brief an die KNAV muss Hofstetter mitteilen: "Die Gesamtkosten belaufen sich um rund 30'000 CHF höher als der budgetierte Betrag.“ Doch die Niederländer beschlossen: "Wenn Holland ein Geschenk macht, dann macht es kein halbes."

Aufstieg zum Arbengrat (Ralf Gantzhorn)

Das Arben-Biwak heute (Ralf Gantzhorn)
Zermatter Berge, fest in niederländischer Hand
Was für eine Festwoche damals, im Juli 1977: Über 300 niederländische Alpinisten belagern Zermatt, unter ihnen Baron Collot d'Escury, Botschafter zu Bern mit seinem Gefolge, geboren einen Meter unter dem Meeresspiegel. Es kommt zu massenhaften Besteigungen des Riffelhorns. Am 7. Juli 1977 befinden sich zeitgleich 150 Holländer über 4000m ü.M. und besteigen Breithorn, Alphubel und eine kleine Gruppe das Nordend. Ein Dutzend Medienvertreter aus den Niederlanden werden von Schwarzsee zur offiziellen Einweihung des Arbenbiwak eingeflogen. Der Botschafter streicht die niederländische Flagge, Alt-Zentralpräsident des SAC, Otto Meyer, hisst die Schweizer Flagge. Reden werden über Funk auf den Festplatz der Matte unterhalb der Arbengandegge übertragen. Der SAC, zahlreich vertreten durch Delegierte sämtlicher Sektionen, überreicht der Königlich Niederländischen Alpenvereinigung, das Gemälde "Obergabelhorn", eigens angefertigt vom Berner Kunstmaler Edmund Wunderlich. So kam es, dass das Arbenbiwak unter dem guten Stern einer Freundschaft zwischen Küstenbewohnern und Berglern steht.

Veränderte Landschaft

Heute ist der Zustieg zum Arben-Biwak über den Arben-Gletscher im Sommer ohne Gletschereis – der Gletscher hat sich zurückgezogen. In der obersten Partie befinden sich fest montierte Ketten. Trotzdem ist es kein Ausflug für Bergwanderer, sondern für geübte Alpinisten.

Jubiläumsfeier mit Konzert am 20. Juli 2012
Am Freitag, 20. Juli 2012 im Grand Hotel Zermatterhof, 20 Uhr, feiert der SAC Sektion Zermatt und die NKBV mit einem Konzert des niederländischen Frommermann Ensemble das 35jährige Bestehen des Arbenbiwaks.

Zermatt Tourismus | Tel +41 27 966 81 00 | info@zermatt.ch