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Grosse Pläne am Matterhorn

Die Burgergemeinde Zermatt plant am Matterhorn mehrere Millionen Franken in die Erneuerung und Erweiterung der bestehenden Berghütten zu investieren. Die modernisierte Unterkunft soll 2015 zum 150-Jahr-Jubiläum der Erstbesteigung des Matterhorns eröffnet werden. Geplant ist die Hörnlihütte mit rund 120 Schlafplätze und die Tagesrestauration an die gestiegen Bedürfnisse der Gäste anzupassen und auf den aktuellen Stand der Technik zu bringen. 

Die aktuelle Unterkunftsmöglichkeit am Matterhorn auf 3‘260 m.ü.M. besteht aus zwei Gebäuden, dem aus der Jahrhundertwende stammenden Berghaus Matterhorn („Belvédère“), das im Besitz der Burgergemeinde Zermatt ist sowie der Hörnlihütte, die 1965 auf einer Baurechtsparzelle der Burgerschaft Zermatt durch die SAC Sektion Monte Rosa erstellt worden ist. Die zwei Gebäude sind nicht miteinander verbunden und bedürfen beide dringend einer Sanierung. Bis 2015 soll aus den beiden Gebäuden eine Einheit entstehen, die den heutigen Anforderungen an Gastronomie, Funktionalität, Energie, sanitären Einrichtungen, Wasser-Versorgung und -Entsorgung entsprechen. Die Wasserknappheit am Fusse des Hörnligrates ist dabei eine spezielle Herausforderung. Die Pläne sehen vor, das Wasserproblem ähnlich wie in der Neuen Monte Rosa-Hütte zu lösen. Man würde im Winter den Schnee schmelzen und in einem Tank sammeln, der unter der jetzigen SAC-Hütte zu liegen käme. 

Betriebliche Herausforderung
Jedes Jahr übernachten im Durchschnitt bis zu 3500 Gäste am Matterhorn. Davon rund 400 in der Hörnlihütte und 3100 im Berghaus Matterhorn. Die engen Schlafsäle mit bis zu 25 Personen und die einfachen sanitären Einrichtungen entsprechen nicht mehr den heutigen Anforderungen. An Sommertagen brechen bis zu rund 140 Bergsteigerinnen und Bergsteiger auf, um das Matterhorn zu besteigen. Zudem erfreut sich das Berghaus Matterhorn einer grossen Beliebtheit bei Tagesgästen, welche einen wichtigen Anteil am Erfolg des Berghaus Matterhorn haben. Dies führt die bescheidene Infrastruktur und das Hütten-Team rund um Gastgeber Kurt Lauber regelmässig an die Grenze des Möglichen. Fernando Clemenz, Direktor der Bergbetriebe bei der Matterhorn Group drückt es so aus: „Es ist den Verantwortlichen der Burgergemeinde und der Matterhorn Group ein grosses Anliegen, den Gästen an diesem speziellen Standort eine passende Infrastruktur und entsprechende Dienstleistungen anbieten zu können, auch wenn die Betriebswirtschaftlichkeit wegen den kurzen Öffnungszeiten nicht im Vordergrund steht.“
 

Neubau oder Renovation: Verschiedene Varianten werden geprüft 
Die Ausgangslage ist nicht ganz einfach und auch für die Matterhorn Group etwas Aussergewöhnliches: Die Modernisierung eines wichtigen Gebäudekomplexes im Hochgebirge bedarf Zeit. Darum hat man die Planung bei der Matterhorn Group schon seit Monaten vorangetrieben, auch wenn Entscheidungsabläufe noch im Gange sind. Die Burgergemeinde hat dafür den Zermatter Architekten Hans Zurniwen beauftragt, ein Vorprojekt für den Umbau und die Erweiterung beider Hütten am Matterhorn auszuarbeiten. In diesem Vorprojekt werden verschiedene Varianten aufgezeigt und geprüft. Die bevorzugte Variante sieht vor, das Berghaus Matterhorn zu sanieren und anstelle der Hörnlihütte einen modernen Anbau zu realisieren. Als weitere Möglichkeit wurde ein kompletter Neubau des Berghaus Matterhorn oder eine Erweiterung im westlichen Teil des Gebäudes geprüft. Besondere Aufmerksamkeit wird im Rahmen der Modernisierung der Haustechnik und dem Versorgungskonzept gewidmet. Im Bereich Warmwasser werden thermische Solarkollektoren zum Einsatz kommen. Eine eigentliche aktive Heizung ist keine vorgesehen. Der grösste Teil des Heizbedarfs wird über passive Sonneneinstrahlung abgedeckt. Bei der Wasserversorgung wird auf ein Wasserreservoir für Schmelzwasser gesetzt, welches volumös genug sein muss um die Versorgung bis September abdecken zu können. Bei der Abwasserentsorgung wird nach dem bewährten Trennsystem Fest/Flüssig mit Abtransport und ARA Entsorgung verfahren, wobei mit dem gereinigten Grauwasser noch ein Kleinwasserkraftwerk betrieben wird. Weiter ist ein Lüftungssystem für die Küche und die Aufenthaltsräume vorgesehen und für die Elektroversorgung ist eine Photovoltaikanlage an der Süd-Fassade geplant. Bei den Gesamtkosten gehen erste Kostenschätzungen von einem Investitionsvolumen von ca. 7 Mio. Franken für den Umbau und die Erweiterung beider Hütten aus.

Burgergemeinde Zermatt will Hörnlihütte kaufen 
Die zuständigen Gremien der Burgergemeinde Zermatt und der SAC Sektion Monte Rosa sind sich einig, dass es aus betrieblichen und betriebswirtschaftlichen Gründen sinnvoll ist, wenn künftig die Verantwortung für den Gastbetrieb am Einstieg zur Matterhornbesteigung in einer Hand liegt. Nun will die Burgergemeinde Zermatt das Bauprojekt ganz übernehmen und dem Schweizerischen Alpenclub die Hörnlihütte abkaufen. Sobald ein Variantenentschied betreffend Erweiterung und Umbau getroffen ist, kann 2012 mit den Bauvorbereitungsarbeiten begonnen werden. 2013 und 2014 ginge es an die Realisierung eines möglichen Neubauteiles, 2015 würden die Fertigstellungsarbeiten vorgenommen. Während der Umbauphase muss der reibungslose Ablauf des normalen Hüttenbetriebes gewährleistet sein. Denn eine Schliessung der Hörnlihütte kommt einer Schliessung des Matterhorns gleich. In der wichtigen Planungsphase sind neben dem SAC auch die Umweltverbände eingebunden und in regelmässigem Dialog. Alle Beteiligten sind sich einig, dass zum 150-Jahr-Jubiläum der Erstbesteigung des Matterhorns im 2015 ein zeitgemässer Betrieb die Gäste empfangen wird. 

Nervenkitzel in der berühmtesten SAC-Hütte der Schweiz 
„You never walk alone“ schreibt treffend eine Wander-Bloggerin aus England im Internet. Wer von Schwarzsee Richtung Hörnlihütte geht, ist tatsächlich nie alleine. Denn nicht nur Alpinisten steigen empor, sondern auch eine stetig wachsende Zahl von Bergwanderern. Manche sitzen mit Feldstechern ausgerüstet wie Schlachtenbummler auf der Hörnlihütte-Terrasse. Aus erster Reihe beobachten sie jeden Schritt oder auch Fehltritt der Matterhorn-Gladiatoren, kommentieren die Geschehnisse. 

Die Hörnlihütte-Besucher, die Tagesgäste wissen: Ein Terrassenaufenthalt, das ist Echtzeitkrimi, Bergpanorama und eventuell auch Doku-Rettungsdrama gleichzeitig. Sind schlecht vorbereitete Kletterer unterwegs, könnten sie auch Zeugen werden vom alpinen Russisch-Roulette-Spiel der Gipfelaspiranten. Von Kletterern, die mit schlechter Ausrüstung und ohne adäquate Vorbereitung in die Wand steigen und wie Stoffpuppen die Ostwand hinabstürzen. Im schlimmsten Fall gehören die Unglücklichen zu den zehn Prozent Opfern, die im Gletscher auf ewig verschwinden. Da oben sind aber auch die vielen seriösen Bergsteiger, die Gipfelerklimmer, die mit ihrer Präsenz seit 1865 den Weltrum des Matterhorns begründeten und auch heute noch aufrechterhalten. Und da sind ihre charismatischen Bergführer, die die Gäste aufs magische „Hore“ sicher hinauf und hinunter bringen. Jeden Sommer pilgern sie zur Hörnlihütte und nehmen die Strapazen einer angespannten, wenn nicht schlaflosen Nacht in einem Schlafgemach von bis zu 25 Personen in Kauf. Bei Wasserknappheit verzichten sie auch mal aufs Zähneputzen. An sonnigen Sommer-Tagen sind so viele Bergsteiger am Matterhorn, dass es mangels Kapazität an den Seilen Routen oft zu wüsten Worten kommt, zu Stau und unabsichtlich ausgelöstem Steinschlag. 

Der Berg hat im Laufe seiner bald 150-jährigen Alpinismus-Geschichte schon weit über 500 Opfer gefordert. Schon im Auftaktjahr 1865 gab es vier Tote: Nachdem der Engländer Edward Whimper als erster zusammen mit seiner siebenköpfigen Seilschaft auf dem Gipfel stand, war er noch der Sieger. Beim Abstieg kamen aber vier Personen ums Leben, und Whimper sah sich mit Gerichtsprozessen konfrontiert. Doch das Matterhorn ist magisch. Es ist der meist fotografierte Berg der Welt. Es lässt viele Alpinisten nicht los, bis auch sie einmal oben waren. 

Museum: 
Informationen über die Erstbesteigung und das gerissene Seil der Whimper-Seilschaft zu sehen im Matterhornmuseum.

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