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Die schwarz-weissen Sommerstars von Zermatt

Während sechs Wochen geht im Sommer morgens und abends eine Herde Schwarzhalsziegen durch die Bahnhofstrasse von Zermatt. Dann ist Geissenkehr. Zu Tausenden stehen die Gäste den schwarz und weiss gezeichneten Ziegen Spalier und fotografieren sie. Doch was sind Schwarzhalsziegen? 

Schwarz und weiss, langhaarig, neugierig, lebendig, selbstbewusst. Das sind die Schwarzhalsziegen, auch Gletschergeissen genannt. Sie sind heute beliebte Zuchttiere und Sympathieträger in Touristenorten. Der Geissenkehr in Zermatt zieht täglich Tausende in seinen Bann – die Fotoapparate blitzten auf, Gäste rennen hinter den Tieren her, um ein Bild fürs Ferienalbum zu knipsen, bevor sich die Ziegenherde in ihr Gädi am Ende des Dorfes zur Abendruhe zurückzieht. Während sechs Wochen, von Anfang Juli bis Mitte August, treiben jeweils junge Burschen aus der Gegend zusammen mit einer erwachsenen Person die Ziegen morgens um 9 und abends um 17 Uhr mitten durch das Dorf. David Münger (12) und Kevin Julen (10) aus Zermatt betätigen sich diesen Sommer als Geissenbuben: „Es macht Spass, mit diesen Tieren zusammen zu sein“, sagt Kevin. Und David schwärmt: „Diese Ziegen sind so lieb!“ Der dritte im Bunde der Geissenhirten ist der 12jährige Jonathan Manz aus Eyholz. Mit engagierter Selbstverständlichkeit erklärt er: „Eine Ziege zu striegeln dauert so um die fünf Minuten.“ 

Ziegen vor dem Aussterben gerettet 
Früher waren Ziegen die Kuh des armen Mannes und in den Alpen weit verbreitet. Noch bis in den 60er Jahren wurden sie auch in Zermatt jeweils am Morgen aus den Gaden auf die Wiesen geführt und am Abend im Geissenkehr wieder zurück in die Ställe getrieben, damit sie gemolken werden konnten. Heute sind Schwarzhalsziegen kaum mehr Milchziegen, denn ihre Leistung liegt bei rund 500 Kilogramm Milch pro Jahr. Da gibt es andere Ziegenrassen, die mehr Milch liefern. Danke der Bemühungen verschiedener Zuchtverbände werden die unterschiedlichsten Ziegenrassen in der Schweiz wieder gefördert. So auch die Schwarzhalsziegen. Sie haben den Vorteil, dass sie dank ihres attraktiven Aussehens und ihres lebendigen Charakters vom Menschen auf Anhieb ins Herz geschlossen werden. Und so kommen im Sommer jeweils mehrere Ziegengruppen nach Zermatt, um die Touristen zu erfreuen. Organisiert wird der Geissenkehr von Zermatt Tourismus seit den 90er Jahren. Die Ziegen sind dann sozusagen die Strassenkünstler Zermatts. 

Heute belieber denn je 
„Die Schwarzhalsziege wird von vielen Ziegenzüchtern als die schönste aller Schweizer Ziegen gepriesen“, schreibt der Oberwalliser Ziegenzuchtverband auf seiner Homepage. Die selben Ziegen haben noch weitere Namen: Sattelziege, Vispertalerziege, Halsene und in Oberwalliser Dialekt auch Ghalsochtu. Während des Wirtschaftsbooms im vergangenen Jahrhundert drohten die Ziegen von den Oberwalliser Berghängen zu verschwinden. In den 50er Jahren gab es im ganzen Kanton Wallis noch 400 bis 500 Schwarzhalsziegen. Das Walliser Kantonsparlament sprach Ende der Achtziger Jahren einen Kredit von 1,5 Mio. Franken, um die Schwarzhalsziegen vor dem Aussterben zu retten. So stieg der Herdebuchbestand von 1993 bis 2003 von 1429 auf 2424 Tiere. 

Tiere mit Charakter 
Christin Tschannen-Müller, 2011 die Chefgeissenhirtin der Zermatter Geissenkehr sagt über ihre 35köpfige Zermatter Ziegenherde: „Die Tiere sind alle eigenständige Persönlichkeiten.“ Sie seien Feinschmeckerinnen und extrem hierarchiebewusst. Die diesjährige Leitziege heisst Zimba und stammt von einem Züchter aus Grächen/VS. Sie schreitet im Geissenkehr jeweils an der Spitze der Herde. Zusammen mit den Ziegengruppen von andern Züchtern der Umgebung bilden die Ziegen in Zermatt während sechs Sommerwochen eine Herde: „Sie wollen jeweils genau wissen, wer die Leitgeiss ist“, sagt Christin. So beobachtet sie, wie die Ziegen untereinander immer wieder kleine Machtkämpfe austragen. Und sie erzählt, dass Ziegen immer in Bewegung sind: „Sie nehmen hier ein Maul voll Gräser, knabbern Rinde oder Zweiglein oder nehmen sich dort ein paar Blumen zum Kauen.“ Ziegen, das seien die absoluten Feinschmecker – und für die Suche nach dem besten Leckerbissen in ständiger Bewegung. Beobachter, die beim Zermatter Geissenkehr Spalier stehen, werden vielleicht Zeuge, wie eine Ziege kurz aus der Herde ausschert, und sich kurzerhand eine Blume oder ein paar Buschzweiglein, die aus einem Hausgarten durch den Zaun ragen, schnappt und beim Weitertraben genüsslich knabbert.

Charakteristisch: Schwarzhalsziegen sind vorne schwarz und hinten weiss.

Die Schwarzhalsziegen sind immer am Geschehen interessiert.

David Münger, Jonathan Manz und Kevin Julen treiben die Ziegen richtung Dorf.

Zermatt Tourismus | Tel +41 27 966 81 00 | info@zermatt.ch