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Total High. Euphorie am Matterhorn

Zermatt ist seit 150 Jahren Dreh- und Angelpunkt hochalpiner Erlebnisse. Für viele Menschen ist die Bergsteigerei ein Buch mit sieben Siegeln.

Das Alpin Center und Zermatt Tourismus möchte Menschen, die körperliche Fitness besitzen, animieren, sich auf dieses Abenteuer einzulassen. Doch wo fängt die körperliche Fitness an? Im vergangenen Spätsommer bestiegen 85 an Brustkrebs erkrankte Frauen mit ihren Begleitern das Breithorn, dem leichtesten zu besteigenden 4000er der Alpen – und zwar in einer gut zweistündigen Gletscherwanderung. Ein Willensakt mit Botschaft. Weitere Infos

Die meisten Menschen können sich wenig über die verschiedenen Besteigungen vorstellen: mit und ohne Steigeisen, Gletschertraversierungen, Klettern – die Anforderungen sind sehr unterschiedlich. Um Zermatt gruppiert sich ein Drittel aller 4000er der Alpen. Suchen Sie sich einen aus. Aber bitte fragen Sie vorher die Bergführer des Alpin Centers. Und machen Sie sich bitte nicht allein auf die Socken, zum Beispiel auf`s Breithorn. Dann sind Sie nämlich ein „Grampi“.

Es ist bekannt, dass Sportler den Höheneffekt für sich nutzen. Das Sauerstoffangebot ist kleiner, der Körper produziert mehr rote Blutzellen. Das ist natürliches Doping – und hält bis zu drei Monaten an. Die mittlere Höhe von 2000 bis 2500 m ist der Bereich, in dem Ausdauersportler ihr Höhentraining absolvieren, die meisten Alpenvereinshütten liegen und wo der Urlauber seine Bergwanderungen geniesst.

Natürlicher Dopingeffekt in den Bergen

Ein Interview mit dem Höhenmediziner Prof. Dr. Wolfgang Domej, Vizepräsident der ÖGAHM (Österreichische Alpin- und Höhenmedizin) und Präsident der ARGE Alpinmedizin

Was geschieht mit dem menschlichen Organismus, wenn er zum Beispiel in eine Seilbahn einsteigt, um auf grosse Höhe zu gelangen - ausser einem Druckgefühl im Ohr und manchmal etwas Müdigkeit ist ja meist nicht viel zu merken.

Unmerklich beginnt ein Gesunder durch den Sauerstoffmangel mit zunehmender Höhe verstärkt zu atmen, der Puls wird etwas schneller und der Blutdruck erhöht sich ein wenig.

Es heißt, dass der Aufenthalt in bestimmten Höhenlagen ein "natürliches Doping" bewirkt, Spitzensportler wissen diesen Effekt zu nützen. Wie kann sauerstoffärmere Luft dopen?

Der „Dopingeffekt“ bezieht sich in erster Linie auf eine verbesserte Sauerstoffversorgung des Körpers auf Normalhöhe im Anschluss an einen längeren Höhenaufenthalt.

Worauf führen Sie den Boom von Alpinsportarten während der letzten fünf Jahre zurück?

Alpinsport hat noch immer etwas von Abenteuer; dazu kommen noch die Eindrücke einer natürlichen, wunderbaren Landschaft und der Kontrast zu den trüben Grossstadtbüros, die eine körperliche Selbstverwirklichung nur selten zulassen.

Was ist bei einem Aufenthalt in 4000m zu beachten?

Möchte man auf 4.000 m leistungsfähig sein, ist jedoch die Höhe noch nicht gewohnt, sollte man sich ein paar Tage akklimatisieren. Gegen einen kurzfristigen Aufenthalt in dieser Höhe ist nichts einzuwenden.

In Tibet gibt es Bergvölker, die permanent und von Geburt an in mittleren und grossen Höhen leben. Worin unterscheiden sie sich von - z. B. Venezianern, die auf Meeresniveau leben, oder gibt es physiologisch keine messbaren Unterschiede?

Es gibt, wie man heute weiss, genetische Anpassungsunterschiede, die sich über Jahrtausende entwickelt haben; Tibeter stellen ein Volk dar, das nachweislich am längsten in grossen Höhen lebt und daher genetisch am besten an den Sauerstoffmangel der Höhe angepasst ist.

Zählen Sie uns spontan Vorteile und Gefahren eines mehrtägigen Aufenthaltes auf über 3000 m auf..

Ein Höhenaufenthalt in 3.000 Metern ist keine wirklich grosse Herausforderung für den gesunden Organismus; die klimatischen Faktoren der Höhe werden allerdings schon deutlich (Höhenstrahlung, Kälte, Lufttrockenheit, Sauerstoffmangel). Kurzurlaube in Höhenlagen um etwa 2500 – 3000 Metern sind sogar gesundheitsfördernd und stärken die Immunabwehr durch Vermehrung der roten Blutkörperchen.

Halten Sie für möglich, dass die Wirkungen mittlerer und großer Höhen für medidative und spirituelle Effekte genutzt werden, gibt es das bereits in Europa?

Klöster gibt es in Nepal bis an die 5.000er Grenze; ich glaube, dass sich meditative Gedanken allein durch eine imposante Gebirgslandschaft ergeben können, sofern man die Berge nicht als reine „Sportgeräte“ sieht, wie das heute häufig der Fall ist.

Kennen Sie Mythen zum Thema "Menschen und Berge" - welche?

Es ist bekannt, dass sich in extremen Höhen unter dem Sauerstoffmangel halluzinatorische Zustände ergeben können, die positiv auf die Kreativität, aber auch eine beträchtliche Bedrohung darstellen können, wenn man ihnen nicht adäquat begegnet.

Wie wirkt sich eine mittlere und wie eine grosse Höhenlage auf die psychische Befindlichkeit/Konzentrationsvermögen/Merkfähigkeit/Emotionalität aus - gibt es dazu Forschungen?

Bereits in mittleren Höhen beginnt die Reaktionszeit und Aufmerksamkeit unter dem Einfluss des Sauerstoffmangels messbar abzunehmen

Das Interview führte Dr. Monika Wogrolly-Domej. Mit freundlicher Genehmigung der Kulturzeitung LIVING CULTURE, www.living-culture.at


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