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Zermatter Flora: Das Blumenparadies zum Entdecken

14.05.2013
 
Botaniker sind sich einig: Die Zermatter Flora ist ein Eldorado für Blumenfreunde. Hier entdeckt man spezielle Blumen und Gräser, die weltweit einzigartig sind. Das Schöne für die Zermatter Gäste: es ist einfach, diese Blumen zu entdecken – dank der Bergbahnen und den 400 km Wanderwegen.

Edelweiss, Enzian und Alpenrose – das sind die Stars und die bekanntesten Alpenblumen.  Doch in Zermatt gibt es auch echte Raritäten: Schnee-Edelraute, Niedrige Rapunzel, Stein-Klee, Doldentraubiges Täschelkraut. Sie sind einzigartig weltweit – Fachleute nennen sie darum Endemiten. Das sind Pflanzen, die nur in einer bestimmten, räumlich klar abgegrenzten Umgebung vorkommen. Zermatt hat mindestens sieben solche Endemiten.

Doch was braucht es, um diese seltenen Blumen zu entdecken? Sicher etwas Fachkenntnis, sowohl über Blumen als auch über die geologischen Gegebenheiten. Edelweiss lieben beispielsweise kalkhaltige Böden, während Arnika lieber in silikathaltigen, sauren Böden spriessen. 

Man nehme: Gutes Schuhwerk, eventuell ein Bestimmungsbuch oder die Smartphone App des Standartwerkes „Flora Helvetica“ sowie eine Lupe. Denn mit der Lupe lassen sich die kleinen Widerhaken an den Spitzen der Kelchblätter der Niedrigen Rapunzel besser sehen. Zermatter Hotspot für florale Entdeckungen: Der Wanderweg Rotenboden-Gornergrat über die Seitenmoräne des Gornergletschers. Er bietet die grösste Vielfalt an seltenen Blumen auf kleinstem Raum. Eine Wegpassage erfordert Trittsicherheit und Schwindelfreiheit.

Sensible Ökosysteme
Der Südhang am Gornergrat ist ein sehr sensibles Ökosystem. Darum sind die Wanderer gebeten, die Wege nicht zu verlassen. Nur schon das Betreten der Gebiete kann den extrem trittempflindlichen Pfanzen schaden. Eine Bergwiese auf dieser Höhe braucht Hunderte von Jahren, um sich zu entwickeln und zu festigen. Je nach Jahreszeit – der Weg beim Gornergrat ist ab Juni begehbar – finden sich nebst Edelweiss: Niedriger Rapunzel, Alpen-Aster, Alpen-Steinkraut, Doldentraubiges Täschelkraut, Gletscher-Edelraute, Hallers Küchenschelle und Hallers Greiskraut, Schleichers Enzian und der fein behaarte Stein-Klee.
 
Bequem Blumen erwandern
Wer grosse Wandermühen scheut, kann bequem einem Lehrpfad folgen. Beispielsweise dem Blumenweg (siehe Link unten) bei Sunnegga. Hier leuchten im Alpengras je nach Saison Schwefel-Anemonen, Enziane oder die violetten Küchenschellen. Wer in die einsame Natur gehen will, folgt dem Botanischen Lehrpfad, der Richtung Trift führt (siehe Link). Hier sind Edelweiss und verschiedene Orchideenarten zu entdecken. Auf beiden Wegen erklären Hinweistafeln das Zusammenspiel und die Eigenheiten der Natur und Pflanzen.
 
Einzigartige Umweltbedingungen
Die unterschiedlichsten Komponenten tragen zur Artenvielfalt der Zermatter Flora bei. Deshalb wachsen in Zermatt sieben endemische Pflanzen: Schnee-Edelraute, Niedriger Rapunzel, Stein-Klee, Doldentraubiges Täschelkraut, Hallers Greiskraut, Gefranste Segge und Behaarte Poster-Miere.
  • 39 über 4000 Meter hohen Berge schützen Zermatt von drei Seiten her. Darum ist das Klima sehr trocken.
  • Zermatt weist die höchst gelegene Waldgrenze im Alpenraum auf. Sie liegt zwischen 2400 bis 2500 Metern.
  • Einige Gebiete der Zermatter Berge ragten während der letzten Eiszeit aus dem Eismeer. Das heisst, einige Pflanzen stammen aus der Zeit vor der letzten Eiszeit. Beispiel: Niedrige Rapunzel. 
  • Nirgendwo sonst im Alpenraum finden sich so viele verschiedene Gesteinsarten. Vier geologische Zonen vereinen sich mit unterschiedlicher chemischer Zusammensetzung.
  • 75 Prozent des Gemeindegebietes sind Naturschutzgebiete von nationaler und internationaler Bedeutung. Die Vegetationsgebiete von internationaler und nationaler Bedeutung umfassen insgesamt 6,2 km2.

Botanischer Lehrpfad
Zermatt – Trift: 3,5 km, 2.10 h, 734 m Höhendifferenz, begehbar Juli bis September. Die lokale Blumenwelt wird auf den Tafeln entlang des Weges erklärt. Zu sehen: Zahlreiche Orchideen, beispielsweise Knabenkraut (Mai-Juni), Edelweiss, Alpen-Aster, seltene Gräser. Wer sein Auge für das unscheinbare Edelweiss noch nicht geschult hat, halte nach der Alpen-Aster Ausschau. Sie lebt in denselben Gebieten wie das Edelweiss (Juli bis Mitte August). Link siehe unten.

Edelweissweg
Zermatt – Alterhaupt (Pension Edelweiss) – Trift – Höhbalmen – Zmutt – Zermatt. 18,8 km, 7.30 h, 1‘047 m Höhendifferenz, begehbar Juni bis Oktober. Für anspruchsvolle Wanderer, spektakuläre Sicht zur Matterhorn Nordwand und das Monte Rosa-Massiv. Wie der Name schon sagt: Hier sind die Edelweiss zahlreich, im Trifttal schreitet man praktisch auf Augenhöhe an ihnen vorbei. Link siehe unten.

Blumenweg
Blauherd – Tuftern – Sunnegga. 4,3 km, 1.20 h, 363 m Höhendifferenz, begehbar Juni bis September. Thementafeln. Link siehe unten.

Geführte Wanderungen
Botanisch Interessierte können an Wanderungen teilnehmen, die von einem versierten Botaniker geführt werden. Sie finden im Juli und August 2013 statt, jeweils mittwochs. Minimale Anzahl Teilnehmer: 8.
Ganztägige Exkursionen (6 Std., Kostenbeitrag pro Person CHF 70, Kinder Ermässigung). Daten: 3.7., 17.7., 31.7., 14.8., 21.8.2013.
Halbtägige Exkursionen (3 Std., Kostenbeitrag pro Person CHF 40, Kinder Ermässigung). Daten: 10.7., 24.7., 7.8.

Anmeldung: Zermatt Tourismus, bis am Vortag, 17.30 Uhr, Telefon 027 966 81 00.

Literatur/Bilder:

  • „Die Reichtümer der Natur im Wallis – Die Pflanzenwelt von Zermatt“, Christoph Käsermann/Fabian Meyer / Arnold Steiner. Aus der Sammlung: Umweltdepartement des Kantons Wallis, 2003, Rotten Verlag Visp.
  • „Flora Helvetica“, Konrad Lauber, Gerhart Wagner, Haupt Verlag Bern
  • „Die Reichtümer der Natur im Wallis – Seltene Blumen des Wallis“, Egidio Anchisi. Aus der Sammlung: Umweltdepartement des Kantons Wallis.
  • Bilder: Copyright Konrad Lauber, Haupt Verlag Bern.
  • Der Artikel ist in freundlicher Zusammenarbeit mit Olivier Putallaz, Biologe, vom Büro buweg, Visp, enstanden.

Flora        

Alpen-Akelei
Lateinisch: Aquilegia alpina.
Familie: Ranunculaceae
Vorkommen: Feuchte, kalkhaltige Wiesen, Gebüsche, montan, subalpin, alpin. Walliser Täler, Berner Oberland, Zentralschweiz, Bündner Südtäler.
Vorkommen in Zermatt: Wanderweg Täsch-Zermatt.
Blütezeit: Juli-September
Potenziell gefährdet. In der Schweiz geschützt.

 

Alpen-Aster
Lateinisch: Aster alpinus Familie: Asteraceae Vorkommen: Rasen, Felsen, auf Kalkböden.
Vorkommen in Zermatt: Im Trifttal Richtung Hotel du Trift, oft in Gesellschaft mit Edelweiss, Gornergrat und vielen anderen Kalksteingebieten. Blütezeit: Juni-August In der Schweiz geschützt.

 

 

   

Alpen-Steinkraut
Lateinisch: Alyssum alpestre
Familie: Brassicaceae Vorkommen: ab 2500 m und höher. Nur in den Bergen von Zermatt. Vorkommen in Zermatt: Gornergrat Südabhang, unterhalb Gornerli, entlang dem steilen Wanderweg. Blütezeit: Juni-August In den Westalpen endemisch. Selten, vereinzelt.  Geschützt, stark gefährdet.

 

Behaarte Polster-Miere
Lateinisch: Minuartia cherlerioides subsp. rionii Familie: Caryophyllaceae Vorkommen: Auf Silikatfelsfluren in Höhenlagen über 2000 m. Vorkommen in Zermatt: Unterrothorn/Fluhalp Blütezeit: Juli/August Endemisch. Sehr selten. Weltweit auf der Roten Liste. Stark gefährdet.

 

 

   

Doldentraubiges Täschelkraut
Lateinisch: Thlaspi rotundifolium subsp. corymbosum
Familie: Brassicaceae Vorkommen: Silikat- und Serpentinschutt. Zermatt, Nordtessiner Täler. Vorkommen in Zermatt: Trockener Steg (Nähe Gandegghütte), nordexponierte Hanglagen am Riffelberg (Riffelsee) und Gornergrat in Säuerlingsfluren.
Blütezeit: Juni/Juli Endemisch. Weltweit gefährdet. Im Wallis: „verletzlich“.

 

Edelweiss
Lateinisch: Leontopodium alpinum Cass.
Familie: Asteraceae Vorkommen: Ganzer Alpenraum, in kalkreichen Bündnerschiefer-Hängen, in steilen Blaugrashalden und Blaugras-Nacktriedrasen, oft in Gemeinschaft mit der Alpen-Aster.
Vorkommen in Zermatt: Häufig. Im Tal Richtung Hotel du Trift, beim Klettersteig, im Naturschutzgebiet Gornergrat unterhalb Gornerli.
Blütezeit: Juli/August In der Schweiz geschützt.

 

 

   
         

Gletscher-Edelraute
Lateinisch: Artemisia glacialis
Familie: Asteraceae Vorkommen: In Felsen, steinigen Rasen, Felstrümmer der alpinen Stufe, kalkhaltige Böden, südexponierte Bündnerschiefer-Hänge, in Niederschwingelrasen, Höhen bis über 3000 m. Vorkommen in Zermatt: Gornergrat Südhang. Blütezeit: Juli/August Endemisch. Sehr selten. Stark aromatisch duftend. In der Schweiz geschützt. Im Wallis: „potentiell gefährdet“.

 

Gefranste Segge
Lateinisch: Carex fimbriata Familie: Cyperaceae Vorkommen: Serpentinhaltiges Gestein, feuchte Felsspalten, Zermatt, Misox, Puschlav. Vorkommen in Zermatt: Trockener Steg, Nähe Gandegghütte. Riffelalp, Gaggenhaupt/Riffelhorn, Rotenboden/Gornergrat, Schwarzsee
Blütezeit: Juli/August Endemisch. Selten. Weltweit gefährdet. Im Wallis: „verletzlich“.

 

 

   

Hallers Greiskraut
Lateinisch: Senecio halleri Familie: Asteraceae Vorkommen: Steinige Rasen, Felsschutt, kalkmeidend. Vispertäler, Simplon-Gebiet und weitere Gebiete im Kanton Wallis.
Vorkommen in Zermatt: u.a. Gornergrat
Blütezeit: Juli/August Endemisch. Geschützt, auf der roten Liste der gefährdeten Pflanzen. Die Schweiz hat eine hohe internationale Verantwortung. Weltweit gefährdet. Im Wallis: „potentiell gefährdet“.

 

Hallers Küchenschelle
Lateinisch: Pulsatilla halleri Familie: Ranunculaceae Vorkommen: Kalk vorziehend. Buntschwingelhalden, trockene Weiden, alpine Rasen, steinige Stellen. Vorkommen in Zermatt: Trift, Höhbalmen bis Zmutt, Schwarzsee, Südhang Gornergrat Richtung Gadmen, Valtournenche/Italien. Blütezeit: Mai-Juli Selten. Endemisch westalpin. In der Schweiz geschützt. Wallis: „verletztlich“.

 

 

   
         

Niedriger Rapunzel
Lateinisch: Phyteuma humile
Familie: Campanulaceae Vorkommen: Zermatt, Vispertäler.
Vorkommen in Zermatt: Auf Silikatfelsen wie Serpentinit-Gebiete. Lychenbretter, Riffelhorn und beim kleinen Aussichtspunkt des Gaggenhaupt.
Blütezeit: Juli/August Stammt aus der Zeit vor der letzten Eiszeit (Glazialrelikt). Stark giftig. Sehr selten. Endemisch. Weltweit gefährdet. Wallis: „verletzlich“.

 

Rostblättrige Alpenrose
Lateinisch: Rhododendron ferrugineum
Familie: Ericaceae Vorkommen: Wälder, Weiden, kalkmeidend, subalpin, alpin, in schneereichen Lagen, im Alpenrosengürtel an der Waldgrenze im ganzen Alpengürtel.
Vorkommen in Zermatt: In den waldigen Gebieten links und rechts der Gornera, zum Beispiel bei Furi/Blatten.
Blütezeit: Juni-August Stark giftig. In der Schweiz teilweise geschützt. Im Kanton Wallis nicht geschützt.

 

   

Schleichers Enzian
Lateinisch: Gentiana schleicheri
Familie: Gentianaceae Vorkommen: Steinige Rasen, Walliser Südtäler. Vorkommen in Zermatt: Zwischen Hörnlihütte und Stafelalp, unterhalb Gornerli beim Gornergrat (Naturschutzgebiet). Blütezeit: Juli /August In der Schweiz geschützt. Im Wallis: „potentiell gefährdet“.

  Schnee-Edelraute
Lateinisch: Artemisia nivalis
Familie: Asteraceae Vorkommen: In Kalkschiefer, Felsspalten, Felsenbänder, Felsschutt, in hohen Südhanglagen. Vorkommen in Zermatt: Ober- und Unter-Rothorn Richtung Täschalp. Blütezeit: August Endemisch, kommt nur in Zermatt vor (mikroendemisch). Sehr selten! In der Schweiz und weltweit geschützt, auf der Roten Liste, auch im Wallis.

 

 

   

Stein-Klee
Lateinisch: Trifolium saxatile All.
Familie: Fabaceae Vorkommen: Silikat-Böden, hauptsächlich Zermatt, Vispertäler.
Vorkommen in Zermatt: schuttige Gletschervorfelder, in Kiesbettfluren ausserhalb der Überschwemmungsflächen. Moränensüdhänge beim Zmutt-, Gorner- und Findelgletscher sowie um Blauherd und an der Moräne oberhalb des Grindjisee. Blütezeit: Juli-September Sehr selten, endemisch. Weltweit gefährdet. In der Schweiz auf der Roten Liste.

    Türkenbund
Lateinisch: Lilium martagon
Familie: Liliaceae
Vorkommen: Ganze Schweiz ausser Mittelland, Bergwiesen, Wälder, meist auf Kalk.
Vorkommen in Zermatt: Nähe Weiler Herbrigg oberhalb Zermatt, Blatten Nähe Gornera unterhalb Matterhorn Express.
Blütezeit: Juni/Juli schweizweit geschützt

 

 

   
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