Sprache: Deutsch
Zermatt. No matter what
 
Sie sind hier: _ Home _ News / Events _ Presscorner _ Zermatt Geschichten

Schwarzhalsziegen: Die schwarz-weissen Sommerlieblinge

17.07.2013

Ziegen ziehen magisch an. Vor allem die Schwarzhalsziegen, die jeden Sommer am Morgen und am Abend durch die Bahnhofstrasse von Zermatt ziehen. Sie sind die meist fotografierten Ziegen der Welt. Aber wie sind sie denn, diese Ziegen mit dem urchigen Aussehen?

Ziegen haben für die Einen etwas Magisches, für die Anderen etwas Dämonisches. Kein Wunder, denn in vielen kunstgeschichtlichen Bildern und Skulpturen stand ein Ziegenbock dem Ebenbild des Teufels Pate: Klauen an Stelle von Füssen, Ziegenbeine sowie Hörner. Die rechteckigen Pupillen der Ziegen irritieren. Sie ähneln kaum einem irdischen Wesen.

Doch Ziegen sind einfach Tiere. Aber ganz besondere. Der Zermatter Ziegenhirt Kurt Tschop sagt es so: „Der Charakter der Ziegen allein ist schon speziell: Sie sind schlau, neugierig, wählerisch beim Fressen und eigensinnig.“ Und fügt an: „Die Schwarzhalsziegen ihrerseits sind noch archaischer als etwa Milchziegen wie die Saanenziege.“ Die seien lenkbarer, anschmiegsamer. Die Schwarzhalsgeissen, die aber seien scheu, fast wie Gämsen oder Steinböcke. Kaum gesagt, ruft einem seiner Geissenpeter zu: „Bitte hol die Ziegen vom Felsen herunter.“ Dazu erklärt er: „Wenn wir sie nicht gleich holen, können wir klettern gehen“, sagt er lachend und weist zu den schroffen Felswänden oberhalb des Zermatter Quartiers Spiss hoch.

Feinschmecker auf Tour
Jeweils drei Kinder im Alter um die Zwölf begleiten die Zermatter Schwarzhalsziegen auf ihrem Geissencher durch Zermatt. Diese Woche sind es drei Zermatter: Aron Arnold (13), Dario Bumann (12) und Matthias Kuonen (12). Es sind jede Woche andere Kinder, unter den total 23 Kindern sind auch vier Mädchen dabei. Sie treiben die 33 Ziegen durch die Zermatter Bahnhofstrasse und betreuen sie tagsüber auf der Alpwiese oberhalb des Quartier Spiess, unweit des Heliports.

Die Arbeit der Geissenpeters und Heidis ist anspruchsvoll, denn die Kinder um Kurt Tschop müssen immer auf Trab sein. Ziegen sind schnell im Auffinden von noch besseren Kräutlein, schliesslich sind sie Feinschmecker. Sie mögen leuchtende Blumen, schmackhafte Kräuter, hellgrünes Gras. Das verholzte, trockene Gras lassen sie stehen und wandern gerne über die Wiesen, um zu noch besseren Gewächsen zu gelangen.

Schwarz und Weiss klar getrennt
Die Rasse der Schwarzhalsziegen war in den 1970er Jahren fast vom Aussterben bedroht. Heute gibt es rund 2700 Tiere dieser typischen Gebirgsrasse. Davon leben rund 2300 Tiere im Oberwallis. Die Kriterien für ein rassenreines Tier sind streng, das Aussehen ist klar definiert: Kopf und Vorderhand bis halber Mittelleib ist kohlenschwarz. Nachhand schneeweiss. Die Trennlinie von Schwarz und Weiss muss ganz klar sein. Die vorderen Klauen sind schwarz, die hinteren weiss. Die Haare lang und tief hängend über die ganze Körperlänge. Es dürfen sich keine schwarzen Haare im weissen Teil des Körpers befinden und umgekehrt. Charakteristisch ist bei der Körperform das stark abfallende Becken und der gerade Rücken. Sowohl Weibchen wie Männchen tragen Hörner. Der Bock hat eine Widerristhöhe bis 85 cm und wiegt bis 90 kg, die Ziege bis 75 cm und bis 60 kg.
Ziegen geben je nach Alter bis rund 2 Liter Milch pro Tag. Die Ziegenrasse hat nebst dem Namen Schwarzhalsziege noch weitere Bezeichnungen: Gletschergeiss, Sattelziege, Vispertalerziege oder Halsene. Sie ist eine der ältesten Hausziegenrassen der Welt.

Zermatter Geissenkehr
Ende Juni bis 9. August 2013
Durchzug der Ziegen von Zen Stecken bis Bahnhofplatz, ca. 9 Uhr.
Die Ziegen kehren am Abend um ca. 17 Uhr ins Dorf zurück und laufen zu ihrem „Gädi“ zurück in Zen Stecken.

Genüssliches Weiden im Anblick des Matterhorns (Hintergrund).

Verantwortlich für den Geissencher 2013: Kurt Tschopp (65).

Ziegen haben rechteckige Pupillen.

Die Klauen (Bild) machen Schwarzhalsziegen zu exzellenten Kettererinnen.

Geissenpeter“ Dario Bumann hält ein Zicklein in den Armen. Aber man sieht es dem Kleinen an: Immer etwas Neues im Köpfchen.

Idylle in der Pause auf der Wiese oberhalb vom Zermatter Quartier „Spiss“. Die Geissenpeters Aron Arnold (links), Dario Bumann und Matthias Kuonen zusammen mit Kurt Tschopp.

Zermatt Tourismus | Tel +41 27 966 81 00 | info@zermatt.ch