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Zermatt Festival: Ensembles und Solisten der Berliner Philharmoniker gastieren zum dritten Mal am Matterhorn

Einst waren es die wagemutigsten Bergsteiger, welche dem Dorf inmitten der Viertausender zu Weltruhm verhalfen. Heute sind es weltbekannte Musiker, die aus Zermatt mehr machen als einen unter Alpinisten weit herum bekannten Kurort. Es sind Ensembles und Solisten der renommierten Berliner Philharmoniker, die am Zermatt Festival eine Auswahl der schönsten Werke der Kammer- und Orchestermusik darbieten. Was die Gipfelstürmer und die Musiker vereint ist die Begeisterung für das einzigartige Alpenpanorama. Und die Herausforderung, in der dünnen Höhenluft höchste Leistungen zu erbringen.

Von Bach bis Glenn Miller
Das gilt insbesondere für die Bläser unter den Musikern. Nach den zwölf Cellisten des vergangenen Jahres wird nun ein Blechbläser-Ensemble von Berlin ins Oberwallis reisen. Die Bläser-Formation gehört zu den ältesten der zahlreichen Kammermusik-Ensembles aus den Reihen des Berliner Philharmonischen Orchesters. Die solistische Kammermusik ist für sie ein Ausgleich zur täglichen Arbeit im grossen Orchester. Für ihren Auftritt in der St.Mauritius-Pfarrkirche werden sie viel Kraft brauchen. Denn abgesehen von der eigenen Puste fehlt ihnen in diesen Höhenlagen der Luftwiderstand. Nichts desto trotz: In ihrem Reisegepäck nach Zermatt bringen die Bläser ein buntes Programm mit Werken der verschiedensten Epochen mit: von Bach über schottische Volkstänze bis Glenn Miller.

Am Anfang war die Revolte
Diese programmatische Vielfalt ist eines der Markenzeichen der Berliner Philharmoniker. Das Orchester kann inzwischen auf 125 Jahre zurück blicken. Auf eine Geschichte, die enge verbunden ist mit der Geschichte Deutschlands. Gegründet wurden die Philharmoniker am 1. Mai 1882, und zwar als selbstverwaltetes Kollektiv. Anstoss zur Gründung des eigenen Orchesters war nämlich eine Revolte in der Kapelle des Dirigenten Johann Ernst Bilse (1816-1902). Für eine Konzertfahrt nach Warschau hatte Bilse Fahrkarten der vierten Klasse besorgt. Das verärgerte die ohnehin schon unterbezahlten Musiker derart, dass 54 unter ihnen beschlossen, ihr eigenes Orchester zu gründen. Sie verpflichteten sich zum "gegenseitigen unverbrüchlichen Zusammenhalten" und zur persönlichen Haftung für die Ausgaben des Ensembles. Eine ehemalige Rollschuhbahn in der Bernburger Strasse diente als erster fester Auftrittsort.

Rauchverbot im Konzertsaal
Unter den ersten Gastdirigenten fanden sich klingende Namen wie Johannes Brahms (1884), Peter Tschaikowski (1888) und Edvard Grieg (1889), die ihre eigenen Werke aufführten. In stundenlangen, harten Proben formte dann ab 1887 Chefdirigent Hans von Bülow das Ensemble zum Eliteorchester Deutschlands. Auch das Konzertpublikum wurde von Bülow diszipliniert: Während seiner Konzerte durften keine Speisen und Getränke mehr serviert werden, Gespräche hatten zu unterbleiben und es herrschte ein Rauchverbot.
Nach Bülow sollte der gebürtige Ungar Arthur Nikisch die Philharmoniker zu europaweitem Ruhm führen. Unter seiner Leitung wurde 1913 für die Deutsche Grammophon Gesellschaft auch die erste Schallplatte aufgenommen: Beethovens 5. Sinfonie. Durch die nationalsozialistische Machtergreifung begann eine heikle Phase der Philharmoniker. 1932 besetzten die Stadt Berlin und das Deutsche Reich die organisatorischen Strukturen des Orchesters. So konnte Joseph Goebbels die Philharmoniker in Reichsbesitz übergehen lassen und als Instrument der Propaganda missbrauchen. Im Gegenzug gehörten die Musiker damals zu den Bestverdienenden des "Dritten Reiches".
1955 übernahm dann Herbert von Karajan den Dirigentenstab von Wilhelm Furtwängler. Unter ihm spielte das Orchester eine Unmenge Schallplatten ein und erweiterte seine Reisetätigkeit auf den ganzen Globus. Im Juni 1999 wählte das Berliner Philharmonische Orchester den Briten Sir Simon Rattle zu seinem Chefdirigenten. Und Rattle ist gewillt, die 125jährige Erfolgsgeschichte der Philharmoniker weiter zu führen. Zitat aus einem "Spiegel"-Interview: "Wir wollen das grossartigste Orchester der Welt bleiben, was immer dass bedeutet."
Akademie für Jungtalente
Fester Bestandteil der Berliner Auftritte am Zermatt Festival ist die Jugendarbeit. Das unterscheidet das Klassikprogramm am Matterhorn von den diversen anderen Musik-Events im Alpenraum. In der Kammermusik-Akademie erhalten 32 hervorragende und sorgfältig ausgesuchte Jungtalente aus der ganzen Welt die Gelegenheit, zusammen mit den arrivierten Musikern der Berliner Philharmoniker zu spielen. Die Akademie nimmt die Tradition der von Pablo Casals anfangs 50er Jahre begleiteten Zermatter Meisterkurse für Musik wieder auf. Auszug aus dem Programm von 1952: "Eine Elite musikalischer Jugend aus aller Herren Länder findet sich in Zermatt zusammen und schöpft in der Entfernung vom gewohnten Tageslauf der heimatlichen Städte und Schulen neue Schaffenskraft im entspannten Umgang mit Meister, Instrument und Natur."

Erziehung mit Musik
Geleitet wird die Akademie von den Musikern des Scharoun Ensemble. Der Name des Architekten Hans Scharoun ist untrennbar mit der Berliner Philharmonie verbunden. Dieser Konzertsaal bietet Raum für ein Musizieren zwischen Tradition und Experiment. Die acht Musiker des 1983 gegründeten Scharoun Ensembles haben sich diesen Grundgedanken verpflichtet und pflegen das Erbe der Vergangenheit ebenso wie die Herausforderungen der Gegenwart. Klarer Schwerpunkt ihres Programmes ist die Musik des 20. Jahrhunderts.
Ihr Engagement für die Jugend liegt wiederum in der Tradition der Berliner Philharmoniker - in Zermatt wie in Deutschland. Mit ihrem "Education"-Programm laden die Philharmoniker Berliner Schüler ein, an diversen Musikprojekten teilzunehmen. Sechs Wochen lang erarbeiten Kinder und Jugendliche mit einzelnen Musikern Geschichten, Kostüme, ihre eigene Musik, Bilder und Tanzszenen. Die Ehre für die Arbeit blieb nicht aus: Im Mai 2007 wurden die Berliner Philharmoniker für "Education" mit dem Europäischen Medienpreis ausgezeichnet. "Die Berliner Philharmonie leistet mit ihrer Kinder- und Jugendarbeit einen herausragenden Beitrag zur europäischen Integration", heisst es in der Begründung für die Ehrung. Am Matterhorn kann die Jugendarbeit der Philharmoniker live miterlebt werden: Die Unterrichtsstunden der Kammermusik-Akademie sind für Zermatter Gäste öffentlich und kostenfrei.

Gäste aus Lausanne
Das Scharoun Ensemble und die Akademie werden am zweiten und dritten Wochenende des Zermatt Festivals auftreten. Den Auftakt zum Konzertreigen in der Pfarrkirche und in der Riffelalp Kapelle auf 2222 M.ü.M. wird dieses Jahr das Orchestre de Chambre de Lausanne machen. Das Orchester wurde 1942 gegründet und überquert nun zum ersten Mal die Walliser Sprachgrenze. Es musiziert heute unter der künstlerischen Leitung von Christian Zacharias, ein Pianist von Weltrang. Nach Zermatt kommen die Lausanner mit Raritäten im Gepäck: Neben einem Klavierkonzert von Mozart (KV 488) und der "Unvollendeten" von Schubert überraschen sie mit Kompositionen des Engländers Charles Avison, die von Werken des Domenico Scarlatti inspiriert sind. Avison gehört zu jenen Komponisten, die nicht zögerten, die Werke grosser Meister neu zu schreiben, um sie insbesondere Amateurmusikern zugänglich zu machen.
Auch die Aufführung der Lausanner Gäste dürfte harmonisch ins Konzept des noch jungen Zermatt Festivals einfliessen.

Infos und Tickets über www.zermattfestival.net


Zermatt Tourismus | Tel +41 27 966 81 00 | info@zermatt.ch