Sprache: Deutsch
Zermatt. No matter what
 
Sie sind hier: _ Home _ News / Events _ News _ hundewelten

Interview "Zermatter Hundewelten 2010"

Frau Dr. Wardeck-Mohr im Interview mit Daniel Krieg, Ortsgruppenführer für Lawinenhundeausbildung in Zermatt.

Herr Krieg, Sie sind Ortsgruppenführer für die Lawinenhundeausbildung in Zermatt. Wie wird man Spezialist für diese anspruchsvolle Aufgabe- und wie kamen Sie selbst dazu?
 
Als Ortsgruppenverantwortlicher übernimmt man vorwiegend administrative und organisatorische Aufgaben. Der Ortsgruppenverantwortliche wird bei uns in Zermatt nach einem festgelegten Zyklus weitergegeben, was bedeutet dass jeder erfahrene Hundeführer diese Aufgabe mindestens einmal übernimmt. Die Ausbildung erfolgt grösstenteils am jährlichen Oberwalliser Lawinenhundeführer-Kurs. In der Ortsgruppe wird dann das gelernte gemeinsam vertieft und verfeinert. 

Seit wann arbeiten Sie mit Lawinenhunden und wieviele Hundepersönlichkeiten umfasst derzeit Ihre Hundestaffel? 
Mit Lawinenhunden arbeite ich seit 2002. In der Ortsgruppe Zermatt sind momentan 7 einsatzfähige Teams

Könnten Sie vielleicht die Beziehung die Sie zu Hunden und speziell auch zu "Ihren" Lawinenhunden haben, kurz beschreiben? 
Hunde sind sehr treue Begleiter. Es ist schön jeden Tag ihre Freude erleben zu dürfen. Unsere Lawinenhunde arbeiten für ihr Leben gern, da es dabei für sie immer um Spiel, Spass und Futter geht. Und wir arbeiten mit ihnen gerne, da sie uns mit ihren grossartigen Leistungen immer wieder aufs Neue beeindrucken. Da durch die Arbeit und das stetige Training mit ihnen eine enge Bindung entstanden ist, sind sie für uns Lawinenhundeführer/innen echte Freunde. 

Bitte skizzieren Sie in kurzen Zügen in welchen Etappen die Ausbildung eines Lawinenhundes erfolgt, und was dabei den Hunden alles vermittelt wird. 
Ein Team muss zuerst einen Eintrittstest bestehen, der aus einer schriftlichen Prüfung, einer kynologischen und diversen praktischen Arbeiten besteht. Auch einen Konditionstest müssen die Anwärter bestehen. Nach bestandenem Eintrittstest kann das Team dann jeweils im Januar am einwöchigen Oberwalliser Lawinenhundeführer-Kurs teilnehmen, an dem das Team jeden Tag beurteilt wird. Nach bestandenem Kurs ist das Hundeteam mit Prevet A einsatzfähig. Das Hundeteam bildet sich nun in der Ortsgruppe über die ganze Wintersaison weiter. Im Folgejahr besucht das Team wieder den Kurs und nach Bestehen dieses, ist das Team mit Prevet B einsatzfähig. Im dritten Jahr erreicht das Team bei Bestehen des Kurs das höchste Prevet C. Die 3 Prevet unterscheiden sich in Suchdauer und Anzahl Personen und Gegenstände. Jedes Hundeteam gehört einer Ortsgruppe an, in der vom ersten bis zum letzten Schnee intensiv trainiert und weitergebildet wird. 

Hat die Arbeit mit Hunden auch Sie selbst und Ihr Leben ein Stück weit verändert- bzw. könnten Sie sagen, dass auch ihre Hunde Sie etwas gelehrt haben? 
Mein Leben wird stark von der Hundearbeit geprägt, da ich viel Zeit damit verbringe. Was ich bei der Ausbildung meiner Hunde lernte, ist bestimmt dass Disziplin und Kontinuität zum Ziel führen. 
Wieviel Einsätze haben Sie durchschnittlich pro Jahr und mit welchem Erfolg?
Das variiert stark. Es gibt sehr ruhige Winter und andere mit leider vielen, zu vielen Lawinenunglücken. Im Schnitt sprechen wir von etwa 7 Einsätzen pro Saison. Nun was ist Erfolg? Für unsere Hunde ist auch eine Leichenbergung ein Erfolg, und dass ist leider bei vielen Lawinenunglücken mit Verschütteten der Fall. Die Chance im Leben eines Lawinenhundes eine Lebendrettung eines Vollverschütteten zu erreichen ist klein. Für uns ist aber genau diese kleine Hoffnung der Antrieb immer unsere volle Leistung zu geben.

Was waren die größten Momente bei den Einsätzen mit Ihren Hunden in Zusammenarbeit mit der Air Zermatt?
Nun, wir sind in der glücklichen Lage in Zermatt eine eigene Helibasis zu haben. In der organisierten Lawinenrettung ist Zeit der entscheidende Faktor. Nur dank der Air Zermatt können wir das Zeitfenster zwischen Alarmierung und Rettung so klein wie nur irgendwie möglich halten. Die Zusammenarbeit mit der Einsatzleitung, den Piloten, den Ärzten und den Flughelfern der Air Zermatt ist eingespielt und professionell. Für uns ist jeder Einsatz ein grosser Moment, da man nie genau weiss was einem erwartet. Es ist immer wieder faszinierend wie sicher die Piloten uns auch bei misslichen Verhältnissen (Wind, schlechte Sicht, steiles Gelände etc.) punktgenau an schwierigsten Einsatzorten absetzen und wieder aufnehmen können.

Was möchten Sie jedem Hundehalter und auch jedem Bürger ans Herz legen, wenn es um die Beziehung und Kommunikation mit Hunden geht?
Etwas mehr Toleranz von Bürgern mit und ohne Hund, wäre sicher lobenswert.

Zermatt Tourismus | Tel +41 27 966 81 00 | info@zermatt.ch