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Wissenschaftliche Forschung: Das „Hore“ unter genauer Beobachtung

Das Matterhorn bewegt sich. Als 2003 Felsstücke vom Hörnligrat fielen, hat das internationales Aufsehen erregt. Das Matterhorn steht seit Jahren unter wissenschaftlicher Beobachtung. Felsstürze wären immer wieder möglich, konstatieren die Wissenschaftler. Um die Mechanismen zu verstehen, behalten sie den Berg der Berge im Auge.

Andreas Hasler vom Geographischen Institut in Zürich sagt: „Wenn im Jahr 2012 Frühling und Sommer wieder so heiss sind wie im Jahr 2003, könnten sich bei vergleichbaren Wetterverhältnissen auch die Ereignisse von 2003 wiederholen.“ Im Klartext heisst das: Es könnten wieder Felsen vom Hörnligrat stürzen. Am 15. Juli 2003 fielen rund 1000 Kubikmeter Fels hinunter. Es mussten über 90 Bergsteiger per Helikopter vom Berg evakuiert werden, und die Kletterroute war für mehrere Tage gesperrt. Die Felsmasse von 1000 Kubikmetern entspricht einem Kubus mit rund 10 Metern Grundriss.

Genau beobachtetes „Hore“
Ein Netzwerk von drahtlosen Sensoren liefert schon seit einigen Jahren Daten über die Felsbewegungen am Matterhorn. Nun veröffentlichen Forschende des Nationalen Forschungsschwerpunkts «Mobile Informations- und Kommunikationssysteme» (NFS MICS) ihre daraus gewonnenen Erkenntnisse. Sie helfen, Felsstürze besser zu verstehen und Gefahrenzonen in Permafrostgebieten zu überwachen.

In seiner Medienmitteilung vom 27. März 2012 geht der SNF (Schweizerischer Nationalfonds) näher auf die Mechanismen ein: Das Landschaftsbild der Alpen wird sich in den kommenden Jahrzehnten aufgrund der globalen Klimaveränderung stark wandeln. Die Gletscher ziehen sich weiter zurück, es ist auch mit vermehrten Felsstürzen zu rechnen. Bereits seit einigen Jahren stellen Experten eine Zunahme solcher Ereignisse in den Alpen fest. Dies gilt insbesondere in Gebieten mit Permafrost, in denen der felsige Untergrund dauerhaft gefroren ist. Auch am Hörnligrat des Matterhorns ereignete sich im Hitzesommer 2003 ein Felsabbruch. Bei der Besichtigung der Abbruchstelle zeigte sich, dass der Felsabsturz verschiedene vereiste Klüfte freigelegt hatte. Eine Forschergruppe um Stephan Gruber von der Universität Zürich nahm daher das instabile Gebiet am Matterhorn genauer unter die Lupe.
Im Rahmen des auch vom Bundesamt für Umwelt geförderten Projekts «PermaSense» des Nationalen Forschungsschwerpunkts «Mobile Informations- und Kommunikationssysteme» (NFS MICS) hat Grubers Gruppe zusammen mit Wissenschaftlern der Universität Basel und der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich im Sommer 2007 ein Netzwerk von drahtlosen Sensoren beim Hörnligrat installiert. Dadurch konnten die Forschenden die Felsbewegungen an verschiedenen Klüften über mehrere Jahre hinweg messen. Wie die Forschenden beschreiben, stellten sie dabei ein komplexes Bewegungsmuster fest, das offenbar durch zwei verschiedene Faktoren geprägt wird. Wenn sich im Sommer das Gestein erwärmt, dehnt es sich aus, so dass sich die Klüfte im Fels schliessen. Kühlt das Gestein im Herbst wieder ab, öffnen sich auch die Klüfte wieder. Dieses Auf und Zu verändert nach und nach die geometrische Anordnung der Klüfte in der Tiefe, so dass sich der Fels mit der Zeit auflockert.

«Die Messdaten der letzten Jahre liefern uns wertvolle Informationen, um die Vorgänge in Permafrostgebieten besser zu verstehen», sagt Stephan Gruber. «Sie helfen uns, in der Zukunft längerfristig und gezielt Gefahrenzonen zu überwachen.» Dass gefrorener Fels bei wärmeren Temperaturen tendenziell instabiler werde, sei zwar eine naheliegende Hypothese. «Doch was sich im Untergrund abspielt, wissen wir nach wie vor erst ansatzweise.»

Einheimische konsultieren
Damit alpine Abenteuer am Matterhorn sicher angegangen werden können, ist es ratsam, sich beim Alpin Center Informationen einzuholen. Die einheimischen Bergführer sind Experten am Matterhorn. Sie können die grösst mögliche Sicherheit für ihre Gäste gewähren, kennen die Routen und die Gefahren von Wetterumstürzen und Steinschlägen.

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