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Französischer Tristan, Orange-Sonnenaufgang

Mit der Aufführung des „Siegfried-Idyll“ von Richard Wagner und „Le vin herbé“ des Westschweizer Komponisten Frank Martin kontrastiert das Scharoun Ensemble Berlin zwei Kompositionen und Komponisten von Weltrang, um dem zweiten, dem unbekannteren Schweizer, den roten Teppich auszurollen.

Beide Stücke sind auf Schweizer Boden entstanden. Das „Siegfried-Idyll“: ein Geburtstagsgruss Wagners an seine Frau Cosima, sein berühmtestes Instrumentalwerk, uraufgeführt am 25.12.1870 im Treppenhaus der Tribschen Villa bei Luzern, während Cosima Wagner aus ihren Träumen erwachte. Das weltliche Oratorium „Le vin herbé“: die erste Komposition von Frank Martin, mit dem er zu seinem einzigartigen Idiom fand. Komponiert von 1938 – 1940 in Genf, ist die Erfahrung des Krieges für das Verstehen dieses Werkes des Pazifisten Martin massgeblich.

1909 hatte der junge, aus einer Calvinisten-Familie stammende Musiker der Inszenierung von Richard Wagners „Tristan und Isolde“ in Genf beigewohnt, was ihn zutiefst erschütterte. Dessen Musik war 30 Jahre später von den Machthabern des Dritten Reiches vereinnahmt. An der Lektüre des 1900 veröffentlichten „Roman de Tristan et Iseut“ des französischen Mediävisten Joseph Bédier, der der keltischen Sage sehr alte Quellen zugrunde legte, entzündete sich für Frank Martin ein neuer Zugang zum Stoff und er fand durch ihn seine musikalische Sprache, geschult an Zwölftontechnik und Tonalität.

In einer Rezension vom 7. Juni 2002 bezeichnete die Frankfurter Allgemeine Zeitung Frank Martins Madrigal-Oper als ein Meisterwerk. Es wurde 1942 in Zürich uraufgeführt und ist im deutschsprachigen Raum nur ca. alle zehn Jahre zu hören.

Das Scharoun Ensemble hat dies Meisterwerk des „klugen Grenzgängers zwischen französischer und deutscher Kultur“ (Roman Hinke) vertont. Dass es nun, nach vielen Jahren der Abstinenz, wieder einmal auf die Bühne gebracht wird, kann als ein kultureller Höhepunkt im diesjährigen Festivalkalender der Schweiz gelten.
„Siegfried-Idyll. Tribschener Idylle mit Fidi-Vogelsang. Orange-Sonnenaufgang“ und „Le vin herbé“: Liebe und Verderben, Wagners Ehefrau in Tränen, die Neuschöpfung eines spätromantisch-musikalischen Mythos durch einen Schweizer Komponisten, von dessen Kompositionen einst Yehudi Menuhin sagte, er fühle, wenn er sie spiele, dieselbe Verantwortung wie bei Bachs Chaconne.



10. September 2010, 19.30 Uhr, Pfarrkirche St. Mauritius

Es spielen: Scharoun Ensemble Berlin unter der Leitung von Marcus Creed. Christina Landshamer (Sopran), Timothy Robinson (Tenor) und das Vocalconsort Berlin.

Konzerteinführung durch die Musikwissenschaftlerin Claire Brawand, 18.30 Uhr, Grand Hotel Zermatterhof. Eintritt frei.


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