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Fränzi Aufdenblatten - Botschafterin für Zermatt

Zermatt ist seit 3 Jahren Kopfsponsor von Fränzi Aufdenblatten

Zermatt, der renommierte Wintersportort, ist stolz darauf mit Fränzi Aufdenblatten eine Weltcupfahrerin gefunden zu haben, die mit ihrer natürlichen und sympathischen Art die Botschaft Zermatts in die Welt trägt. Als Zermatterin kennt Fränzi Aufdenblatten jeden Winkel des Ortes und jede Piste. „Eine bessere Botschafterin können wir uns nicht vorstellen“, so Tourismusdirektor Daniel Luggen; „Wir wünschen Fränzi eine tolle Wettkampfsaison mit vielen Erfolgen.“

Mit dem Sponsoring von Fränzi Aufdenblatten ist Zermatt seit 3 Jahren im Weltcup-Zirkus mit dabei und freut sich auf eine weitere spannende Saison.

"Je höher man kommt, umso dünner wird die Luft"

(Interview vom 09.11.2009)

Fränzi Aufdenblatten ist nicht immer gleich gut gelaunt, auch wenn viele das denken. Eine harte Saison steht ihr bevor: Das Ziel heisst Vancouver. Und schon lange ist sie unter den Erwartungen geblieben, die andere an sie gestellt haben, vor allem sie an sich. Ein Gespräch über Leistungsdruck, den Verlust von Fröhlichkeit im Spitzensport und der Schwerstarbeit an der eigenen Einstellung.

Wann dürfen wir dir für das nächste Rennen die Daumen drücken?

Das ist Lake Louise, zwei Abfahrten am 4. und 5. Dezember und ein Super-G am 6. Dezember.

Du hast mal zu Protokoll gegeben, dass dir das Vertrauen deiner Umgebung in dich sehr wichtig sei. Wie erzeugst du Vertrauen in dich, unabhängig von anderen?


Mit guten Trainingsresultaten zum Beispiel, mit einer guten konditionellen Vorbereitung. Wenn ich gut trainiert habe, weiss ich, dass ich bereit bin. Das gibt ein gutes Gefühl. Ich arbeite viel an der Abstimmung der Skier – wie ein Formel 1-Fahrer, der sein Auto an die Strecke anpassen muss,- so versuche ich mich und meine Skier auf verschiedene Schneearten anzupassen; mit verschiedene Set-ups.

Hast du mentale Techniken, mit denen du arbeitest?


Wenn ich das Bedürfnis habe, treffe ich mich mit meinem Coach in Basel. Ich kann nicht 150 Stunden über Schwierigkeiten sprechen. Aber ab und zu, nach einem schlechten Rennen, tut es gut, Gedanken zu ordnen. Ich kann dadurch leichter abschliessen und wieder vorwärts schauen. Sonst trägt man schlechte Gedanken mit sich und das hat einen negativen Einfluss auf die Leistungen.

Das passiert nach dem Rennen. Und davor? Wie gehst du mit Leistungsdruck um? Dir steht eine harte Saison bevor.

Ich kann gut mit Druck umgehen, wenn ich weiss, dass ich bereit bin. Wir haben Jahre im Team gehabt, in denen fast niemand gut gewesen ist. Ich war für die WM oder Olympia qualifiziert, ohne im Vorfeld super gefahren zu sein. Ich musste versuchen mir einzureden – „mich anzulügen“-, dass ich ein gutes Rennen fahren kann. Das ist brutal schwer - für mich fast unmöglich. Aber wenn ich gut vorbereitet bin, wenn ich gute Resultate erreicht habe und merke – jetzt kann ich gewinnen – dann ist der Druck kein Problem. Er ist eine Herausforderung. Ich habe Lust, allen zu zeigen, was ich kann. Dann hilft mir die Nervosität, die Leistung bringen zu können. Schwierig wird es, wenn ich schlechter bin als ich es mir vorgestellt habe. Dann wird es sehr schwer. Natürlich probiere ich immer, mir zu sagen, dass ich dem Druck gerecht werden kann. Für mich ist es wichtig, dass ich im Vorfeld Vertrauen habe. Ich und meine Mannschaftsmitglieder sind gewohnt, Riesendruck zu haben.

Was ist schlimmer: Die Erwartungen, die du an dich selbst stellst, oder die Erwartungen, die andere an dich stellen?

Absolut die, die ich an mich selber stelle. Die, die Leute an mich stellen, sind sowieso oft falsch. Es ist nicht böse gemeint, aber sie können nicht genau wissen, was zu erwarten ist. Sie lassen sich von Medien beeinflussen, von einer allgemeinen Meinung und die ist selten richtig. Die, die ich an mich stelle, die sind mein Herzblut, entstanden durch den Schweiss des letzten Sommers, durch zehn harte, entbehrungsreiche Jahre. Ich habe mehr mit meinen Erwartungen zu kämpfen als mit denen der anderen.

Was erwartest du von dir in dieser Saison, ganz konkret?


(zögert) Das ist immer schwer, das am Anfang der Saison zu sagen. Ich erwarte schon einen Podestplatz. Ich erwarte das anhand der Trainingsresultate im Sommer. So wie ich mich fühle, erwarte ich den Podestplatz. Ich kann nach Lake Louise gehen, bin in der Abfahrt Fünfte, im Super-G Vierte – dann stimmen die Erwartungen für den Winter. Oder ich gehe nach Lake Louise, bin 35. in der Abfahrt – 20.im Super-G – dann muss ich die Erwartungen anpassen, sonst mach ich mich fertig. Es ist immer schwer zu sagen. Ich glaube jedoch nicht, dass ich mich so täusche (lacht). Ich glaube, dass ein Podestplatz möglich ist, ja!

Bist du streng mit dir?

Ja. Welcher Spitzensportler ist nicht streng mit sich? Wir sind wahrscheinlich immer eher zu streng. Gerade mein Mental-Coach sagt mir in jedem zweiten Satz, dass es menschlich ist, nicht immer stark zu sein.

Den Umgang mit Strenge, im Spitzensport, muss man ja auch ein bisschen gelernt haben. Wie war das in deinem Elternhaus?


Ich wurde nicht sehr streng erzogen. Eher zu wenig, was zwar sympathisch ist, rein für die Leistungen im Spitzensport aber wäre es wahrscheinlich besser gewesen, wenn ich etwas egoistischer, etwas strenger erzogen worden wäre (lacht). Ganz lange war ich gar nicht streng zu mir. Ich lief einfach ein bisschen durch`s Leben, so … ein bisschen Ski fahren … (pfeift), was sehr gut funktioniert hat, bis zu einem gewissen Grad. Doch irgendwann reicht das nicht mehr. Da wurde mir bewusst, bis hier, gut, aber jetzt muss ich eine andere Einstellung bekommen. Mehr trainieren, strenger mit mir sein. Ich weiss nicht, wie es gewesen wäre, wenn ich zuhause strenger erzogen worden wäre. Das habe ich eben nicht gehabt. Es hat nicht nur mit der Erziehung, sondern auch mit Talent zu tun. Je mehr Talent dir der Herrgott schenkt, desto weniger hart musst du für etwas arbeiten. Sportlich gesehen, fiel mir immer alles eher leicht und so habe ich das „Streng sein mit mir“ nicht schon von klein auf gelernt.
Über die Jahre wurde mir aber klar, was es braucht, um auf diesem Niveau fahren zu können. Wenn man sich nur auf das Talent verlässt, kann man es gleich sein lassen. Auf diesem Niveau sind alles Talente … Wenn ich noch immer so trainieren würde, wie vor fünf Jahren, dann bräuchte ich die Saison gar nicht anzufangen. Je höher man kommt, desto dünner wird die Luft. Du musst probieren, alle Möglichkeiten auszuschöpfen, damit du irgendwann ganz oben ankommst. Aber wie gesagt, ich bin nicht so auf die Welt gekommen (lacht). Das lernte ich mit der Zeit.

Leistungssport kann ja zu einer unglaublichen Freudlosigkeit führen. Du sagst immer wieder, du seiest eine Frohnatur. Freude steht einem nicht nur ins Gesicht geschrieben, sie muss einen durchdringen. Was tust du dafür?

Ich glaube, dass habe ich auch ein bisschen lernen müssen. Die Zeit, in der der ganze Schweizer Skisport am Boden war, war ich ja auch mitten drin. Ich erinnere mich, nach der WM in Bormio, habe ich mich nicht mehr getraut, nach Visp zu fahren, um mir ein Hockey-Match anzuschauen, weil die Stimmung uns gegenüber so schlecht war. Ich bin mir als Person schlecht vorgekommen, weil ich schlecht Ski gefahren bin. Ich war die gleiche Fränzi wie vorher, aber ich habe schlechte Resultate gehabt – plötzlich hat man sich alles Mögliche eingeredet. Damit umzugehen muss man lernen. Sport ist nur ein Teil des Lebens. Darum kann ich jetzt mit mehr Freude Ski fahren. Und wenn ich schlechte Resultate habe, dann laufe ich mit genau dem gleichen Gefühl durch die Bahnhofstrasse. Das hat mit mir als Person nichts zu tun. Das ist die Gefahr an der Freundlosigkeit – dass man anfängt, das zu vermischen, das Persönliche mit der sportlichen Leistung. Als ich in den Weltcup gekommen bin, war ich schon immer so, wie ich war. Alle fanden es voll cool, fast wie Lara Gut jetzt: die lacht, noch vor dem Start, die Resultate sind gut gewesen, alles super. Irgendwann waren die Resultate nicht mehr so gut. Ich habe immer noch gelacht, und dann war das schlecht. Ich hatte das Gefühl, ich muss mich anpassen, nicht mehr lachen, doch das funktionierte überhaupt nicht. Das sind so Prozesse. Irgendwann habe ich mich gefunden. Heute lache ich einfach „taktisch klüger“ (lacht). Ich kann darüberstehen, eines vom anderen trennen und mit Freude den Sport betreiben. Aber klar, es hängt viel am Sport. Ich investiere so viel. Da liegt es auf der Hand, dass ich nicht gleich guter Laune bin, wenn ich 50. werde oder wie wenn ich gewinne. Doch schlussendlich bleibt es „nur“ Sport. Wenn ich an Dani Albrecht oder Silvano Beltrametti denke, dann wird mir das sehr bewusst. Alles ist relativ.

Skialpinisten stehen mehr im Rampenlicht als zum Beispiel Bergsteiger, kommen leichter an Sponsorengelder, müssen aber auch einem anderen Druck standhalten. Fussballweltmeisterinnen können nicht an wichtigen Spielen teilnehmen, weil sie von ihren Arbeitgebern nicht freigestellt werden. Ist es nur von Vorteil, komplett freigehalten zu werden? Es gibt ja auch noch ein Leben nach dem Spitzensport.

Ganz persönlich: Wenn ich könnte, wäre es mir lieber noch etwas nebenher zu machen. Ich mache mir auch immer Gedanken darüber, was danach kommt. Wir Schweizer haben sowieso das Gefühl, dass wir noch etwas Solides auf die Beine stellen müssen. Wenn ich nebenbei noch arbeiten könnte, glaube ich, wäre es für mich nicht negativ. Das gäbe mir eine gewisse Sicherheit. Doch es ist schlichtweg unmöglich in unserem Sport. Ich sage ehrlich, wenn ich mit anderen Profi-Sportlern rede, dann frage ich mich schon ein bisschen: Die trainieren am Morgen zwei Stunden, am Nachmittag noch mal eine halbe Stunde und haben dann das Gefühl, dass das ein unglaublich harter Trainingstag war. So was kann ich mit unserem Aufwand in keiner Weise vergleichen. Aber natürlich bin ich froh, dass ich mit meinem Sport genug verdienen kann, um davon leben zu können. Es gibt Sportarten wie z.B. Langlauf, die trainieren wohl noch härter als wir und können kaum von ihrem Sport leben.

Dann gondelt Ihr das ganze Jahr über durch die Weltgeschichte.


Ja. Das ist einer der Hauptgründe, warum es fast unmöglich ist, neben dem Sport noch etwas zu arbeiten. Wir haben Dominique Gisin in der Mannschaft, die hochintelligent ist. Sie hat probiert nebenher zu studieren – keine Chance. Ich fahre nicht bis vierzig Ski. Jetzt will ich mich noch voll auf den Sport konzentrieren, so viel wie möglich geniessen, diesen einzigartigen Lebensrhythmus voll ausschöpfen. Und natürlich, so viel wie möglich verdienen, damit ich nach meiner Kariere in aller Ruhe entscheiden kann, was ich sonst noch in meinem Leben machen möchte.

Du warst Anfang 20, als du angefangen hast.

Ich habe die Matura gemacht und habe mich danach voll aufs Skifahren konzentriert. Meine Schwester macht eine Physio-Ausbildung, mein Bruder studiert an der ETH. Da kribbelt es mich schon auch. Am liebsten würde ich beides machen, zwei parallele Leben; eins die Karrierefrau und eins die Spitzensportlerin. Diese könnte dann gleich nach der Karriere eine Familie gründen, perfekt! (lacht). Im wirklichen Leben musste ich mich für ein Leben entscheiden. Das ist die Kehrseite.

Was ist das totale Kontrastprogramm zum Skilaufen? Was dir guttut und was du gerne machst.


(überlegt lange) Das gibt es nicht. In meinem Leben hat alles immer irgendwie mit Sport zu tun. Das ist im Moment mein Leben. Ich könnte nichts machen, ohne Gedanken an den Sport zu haben. Wenn ich zwei Wochen am Meer Urlaub mache, vielleicht. Aber sogar beim Golfen kommt mir das Skifahren alle drei Minuten in den Sinn. Weil ich genau die gleichen Challenges habe. Zum Beispiel schaut die ganze Terrasse zu und fragt sich: Schafft sie es wohl über das Wasser oder nicht (lacht). Zum Glück hat es wesentlich geringere Konsequenzen, wenn meine Leistung im Golf nicht stimmt, daher kann ich sehr gut abschalten beim Golfen. Das totale Kontrastprogramm dürfte wohl nichts Sportliches sein. Aber ich mache eben alles, was mit Sport zu tun hat, am liebsten! Auch wenn ich später mal arbeite, wird mich der Sport und was ich durch ihn erlebt habe, wohl immer mal wieder in den Sinn kommen. Zum Beispiel bei einer Niederlage: Wie bin ich damit umgegangen? Das wird mich wahrscheinlich immer begleiten. Ganz ausblenden kann ich das nicht.

Fränzi, ich danke dir für das Gespräch.

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