In der Tiefe die Erdgeschichte durchwandern

Die Gornerschlucht ist wohl die verkannteste Attraktion von Zermatt. Versteckt, im Dunkeln gelegen, ohne Aussicht auf berühmte Viertausender. Wer sich aber in die Eingeweide der Erdgeschichte hinunter wagt, erlebt Spannendes.

Niemand kommt nach Zermatt, um eine Schlucht zu sehen. Das Matterhorn ist der unangefochtene Star, die Diva. Also ist die Gornerschlucht der Geheimtipp – auch nach 130 Jahren noch. Aber der Reihe nach.

Es ist einer dieser lahmen, aber gemütlichen Sonntag Morgen. Das Frühstück hat lange gedauert. Wir packen einen kleinen Rucksack mit Sitzmatten, Getränken, Portemonnaie, Fleece-Jacke, Fotoapparat  und Sonnenbrille. Auf geht’s Richtung Dorfende. Die Wegweiser zeigen deutlich, wo es lang geht, überall steht „Gornerschlucht“ und „Gorner Gorge“ geschrieben. Am Dorfende, nach dem Fussballplatz, steigt das Gelände an. Über den Köpfen rattern die Gondeln des Matterhorn Express. Der schattige Wald duftet nach Lärchennadeln, feuchtem Boden und würziger Alpenluft. Da taucht das Info-Häuschen am Anfang der Gornerschlucht auf. Vom Kirchplatz bis hierher hatten wir knappe 20 Minuten gebraucht.

Es ist ein Ort wie in einem Märchen. Mini-Häuschen, ein paar Blümlein, die verstreut im lichten Waldboden spriessen. Der Prospekt gibt Aufschluss über die Geschichte der Gornerschlucht. Der Eintritt kostet CHF 5.

Über das Wasser staunen

Über steile Treppen geht’s in die Tiefe. Ein leises Tosen und Grollen ist von unten zu vernehmen. Je mehr man voranschreitet, desto dramatischer wird die Akustik. Das Tosen, Gurgeln und Rollen wird stärker. Feuchtigkeit überall. Wir witzeln: „Jetzt weiss ich, woher das Wort ‚klamm‘ kommt“, sagt Kurt. „Du meinst ‚die Klamm‘?“, frage ich ihn. „Beides“, antwortet er. Klamm als gut nachvollziehbares Gefühl von kalter Feuchtigkeit. Und „die Klamm“, die Schlucht, wie besonders enge Schluchten im Gebirge auch genannt werden. Eine Schlucht, bei der die Felswände überhängend über dem Wasser schweben. Ja, so ist es hier. Holzstege, Holzbrücken mit Holzgeländern und Holztreppen, mit Eisenelementen verstärkt, führen durch diese Unterwelt, führen zu Mutter Erde, zu Vater Fels. Felswände im Laufe der Jahrtausende glattgeschmirgelt von sandhaltigem Wasser. An den Wänden hängen und kleben Moose, Farne. Am Grün zittern schwere Wassertropfen im Wassernebel, der von unten aufsteigt. Ab und zu hängt eine Baumleiche als nackter Stamm in den Wänden oder steckt zwischen den Felswänden im Wasser fest. Oben, in einem engen Schlitz sichtbar der stahlblaue Himmel. Vorsicht beim Gehen, es ist feucht. Die Szenerie provoziert Frösteln.

Die Gornerschlucht entstand im Laufe der Jahrtausende. Die riesigen Gletscher der Eiszeit hatten immer einen Abfluss, der sich durch die Gesteinsschichten fass und noch immer frisst. Manche Steine sind grüner Serpentinit, manche Felswände sind einfach nur grau. Unten Gurgeln, Wasserbecken, Wasserläufe. Irgendwie zittert der Boden vom stampfenden Wasser.

Die Überraschung in Türkis

Es ist schon 16 Uhr. Wir laufen auf dem Steg um eine Felsen-Ecke. Und da, das grosse Wunder: ein Wasserbecken, von Sonnenstrahlen erreicht, leuchtet in hellstem Türkis. Dieses Schauspiel ist nur im Frühherbst zu sehen, weil das Licht den richtigen Einfallswinkel braucht, um das Wasser so leuchten zu lassen. Kurt hat den Fotoapparat im Anschlag und widmet sich ausgiebig der Szenerie.

Schon im Jahre 1886 hat die Familie Taugwalder das Potential der Schlucht entdeckt. Sie ersuchte die Burgergemeinde, das Gelände touristisch nutzen zu dürfen. Die Urversammlung der Burgergemeinde beschloss, dem Ansinnen statt zu geben. Bedingung: die gesamte Bevölkerung von Zermatt muss zu einem Apéro eingeladen werden. Damals lebten rund 450 Seelen im Matterhorndorf. Es entzieht sich der Kenntnis, wie viel dem Wein zugesprochen wurde.

Über Stege, Treppen und schliesslich über den Wanderweg schälen wir uns aus der Schlucht heraus. Wenn das Matterhorn die Diva von Zermatt ist, ist die Gornerschlucht die unbekannte Schönheit, die den geheimnisvollen Türkis-Edelstein hüten muss und darum von den Alpengeistern in den Erduntergrund verbannt wurde.

 

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