Die stetige Innovation

Als CEO der Zermatt Bergbahnen führt Markus Hasler eines der grössten und erfolgreichsten Bergbahnunternehmen der Schweiz. Die hohen Ansprüche der Gäste erfordern jedes Jahr aufwendige Innovationen und grosse Investitionen.

Interview: Zeno van Essel
Fotos: David Birri

  

Herr Hasler, was sind in der Wintersaison 2016/2017 die grossen Neuheiten bei den Zermatt Bergbahnen?
Die wichtigste Innovation ist si­­cher die neue Sechsersesselbahn „Hublot Express“ von Gant nach Blauherd. Sie ersetzt die 45 Jahre alte Kabinenbahn. Ehr Neubau kostete 8,2 Millionen Franken. Dazu haben wir wie jedes Jahr viele kleinere Arbeiten erledigt, die man oft gar nicht zur Kenntnis nimmt – zum Beispiel eine Inves­tition von ein paar hunderttau­send Franken in neue Beschneiungsanlagen.

Wie geht es Ihrem Grossprojekt auf Trockener Steg, der neuen 3S-Bahn?
Dort geht es mit grossen Schritten voran. Bis im September 2018 werden wir dort zwischen 52 und 55 Millionen Franken verbauen, um den Zugang von Trockener Steg zum Klein Matterhorn und dem Matterhorn glacier paradiese, dem Gipfel, komfortabler, moderner und effizienter zu gestalten. Die Arbeiten umfassen den Bau einer neuen Tal- und Bergstation sowie drei Streckenpfeilern.

Welches sind dabei die grössten Herausforderungen?
Die logistische Erschliessung des Hochgebirges. Eine Baustelle befindet sich auf 4000 Meter über Meer. Dort haben wir maximal 100 Bautage zur Verfügung. In diesen müssen tausende Tonnen Material dorthin transportiert werden. Dafür haben wir eigens eine Transportseilbahn von der italienischen Seite her zum Klein Matterhorn hinaufgebaut.

Wozu dieses Riesenprojekt?
Wir haben eine Unterkapazität auf der Strecke Trockener Steg–Klein Matterhorn. Das führt zu Wartezeiten. Unseren Gästen – besonders jenen aus dem asia­tischen Raum, die für uns immer wichtiger werden und die nur kurze Zeit in der Region sind – wollten wir das nicht länger zumuten. Darum war der Ausbau zwingend. Der zweite Grund für den Ausbau ist die zunehmende Attraktivität der Skigebiete im italienischen Cervinia. Wir haben im Winter pro Tag mehr als 3000 Gäste, die von Zermatt aus nach Cervinia fahren, und umgekehrt nochmals die gleiche Menge Gäste, die nach Zermatt kommen. Auch denen können wir mit der neuen Bahn künftig mehr Komfort und Effizienz garantieren. Dazu legt dieses Projekt den Grundstein für die geplante höchste Alpenquerung, die für die Zermatt Bergbahnen in Zukunft von grosser Bedeutung ist.

Wie gehen Sie bei der Planung der Investitionen vor?
Die Zermatt Bergbahnen haben eine klare Unternehmensstrategie. Es geht uns nicht darum, das Gebiet zu vergrössern, sondern den heutigen Perimeter zu erhalten, zu optimieren und stetig zu erneuern.

Ist immer genug Geld in der Kasse?
Unser Unternehmen steht finanziell auf sehr solider Basis. Trotzdem ist klar: Wir haben einen hohen Investitionsbedarf. Der Konsument vergisst oft, was alles dahintersteckt: Es gehören nicht nur Bau und Betrieb der Bahn­anlagen dazu, sondern auch der ganze Pistenunterhalt und die Beschneiungsanlagen sowie das nötige Personal und die Maschinen. Wir haben einmal ausgerechnet, dass ein Betriebstag bei den Zermatt Bergbahnen etwa 260 000 Franken kostet.

Werden bei all den Investitionen jetzt die Tickets teurer?
Wir haben seit vier Jahren die gleichen Ticketpreise. Auch diesen Winter gibt es bei uns keine Preiserhöhungen. Und das, obwohl wir in den letzten zwölf Jahren 420 Millionen Franken investiert haben. Diese ständige Innovation macht uns zum ertragreichsten Bergbahnunternehmen der Schweiz. Bei 68 Millionen Franken Umsatz im Jahr 2015 lag unser Gewinn vor Steuern bei fast 50 Prozent, der Cashflow bei 42 Prozent.

Immer mehr Menschen in den Bergen – ist das gut für Zermatt?
Man muss unterscheiden zwischen Sommer- und Wintertourismus. Im Winter sind wir, unter Berücksichtigung der stagnierenden Nachfrage, gut ausgelastet, da können wir uns kaum signifikant steigern. Aber im Sommer können wir mehr tun. Da liegt ein grosses Wachstumspotenzial im Ausflugstourismus – mit Gästen, die zwei bis drei Nächte bleiben. Am ersten Tag erlebt man auf dem Rothorn den Sonnenaufgang, weil man von dort den schönsten Blick aufs Matterhorn hat. Am zweiten Tag geht’s auf den Gornergrat mit dem herrlichen Blick auf die Gletscherwelt. Und am dritten ist das Klein Matterhorn angesagt. Nächsten Sommer werden wir ein Ticket anbieten, mit dem man zwei Gipfel an einem Tag besuchen kann.

Welche Gäste sind Ihnen wichtiger: die aus der Schweiz oder die aus dem Ausland?
Die Stammgäste aus der Schweiz sind für uns sehr wichtig, da sie prozentual den grössten Teil unseres Publikums ausmachen. Zermatt ist aber eine internationale Destination, darum hat die Marktbearbeitung in Asien für uns eine grosse Priorität.

Wie viele Personen befördern die Zermatt Bergbahnen pro Tag?
Der Rekord liegt bei 19 600 Personen. Ein normaler Hochsaisontag bringt etwa zwischen 16 000 und 17 000 Fahrgäste. Dabei muss man sagen: die Transportkapazität vom Skigebiet Zermatt ohne Italien beträgt 56 000 Personen pro Stunde. Im Normalfall gibt es somit keine langen Wartezeiten.

Spüren Sie den Preisdruck durch die Konkurrenz?
Klar. Doch wir geben ihm nicht nach. Das Motto der Zermatt Bergbahnen lautet: Leading Price, Leading Quality. Wenn man in der Rabattschlacht angekommen ist, kommt man nicht mehr heraus.

Ein Geheimtipp für skibegeisterte Zermatt-Anfänger?
Morgens auf die Sunegga. Dann aufs Rothorn und von dort quer durchs Skigebiet über Gornergrat und Klein Matterhorn bis hinab nach Cervinia in Italien. Das ist eine riesige Pistendistanz, aber das kann man gut in zweieinhalb bis drei Stunden absolvieren – ohne je die gleiche Strecke zu fahren. Und das alles mit einem Ticket für 92 Franken. Wer eine Mehrtageskarte hat, bezahlt zwischen 60 und 70 Franken.

   

Markus Hasler, CEO der ZBAG
Bergbahnprofi Markus Hasler, geboren in Luzern, studierte in Bern Mathematik und Physik. Er leitete zwölf Jahre lan die Bergbahnen Brigels-Waltensburg-Andias im Kanton Graubünden und war politisch aktiv. Seit 2011 ist er CEO der Zermatt Bergbahnen AG (ZBAG).

© Schweizer Illustrierte
Text und Bilder sind in Zusammenarbeit mit Zermatt Tourismus in der Schweizer Illustrierten-Beilage vom 04. November 2016 publiziert worden. 

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