1891: Zermatt erwacht aus dem Dornröschenschlaf

Im Juli 2016 ist es 125 Jahre her, dass Zermatt mit der Welt verbunden ist. Im Jahr 1891 fahren die ersten Gäste auf der neuen Eisenbahnlinie ins Matterhorndorf. Das wird diesen Sommer gefeiert. Höchste Zeit, ein wenig zurückzuschauen.  

Zermatt ist lange ein abgeschiedenes Bergdorf, das unerschlossen am Ende des 30 km langen Nikolai- und Mattertal liegt. Links und rechts türmen sich die höchsten Viertausender der Schweiz. Das Dorf ist nur über einen Saumpfad mit der Aussenwelt verbunden. Im Jahr 1891 wird die Bahnlinie Visp-Zermatt (VZ) eingeweiht. Das kleine Bergdorf hat zu dieser Zeit gerade mal rund 400 Einwohner. Die Bahnverbindung reisst das Bergbauerndorf regelrecht aus dem Dornröschenschlaf.

Ein Hotelier treibt die Entwicklung voran

Es ist Alexander Seiler (1819-1891), der als erster die touristische Anziehungskraft des Matterhorns erkennt. Aus dieser Erkenntnis heraus begründet er die Hotellerie in Zermatt. Zuvor schon, ab dem 17. Jahrhundert, kommen Wissenschaftler nach Zermatt, um die Berge zu erforschen und zu vermessen. Später sind es Alpenschwärmer, allen voran Briten, die die Exotik der Berge erleben wollen. Sie machen sich daran, die Viertausender als erste zu besteigen. Das Matterhorn ist 1865 der letzte Viertausender, der noch bezwungen werden soll. Weil die Geschichte der Erstbesteigung vier Todesopfer fordert, erfährt die Welt vom Berg mit der faszinierenden Form. Ein neuer Geschäftszweig entsteht – der Tourismus. Schon in den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts nehmen 12‘000 Touristen pro Jahr den beschwerlichen Weg nach Zermatt auf sich, um das Matterhorn zu sehen. Der Tourismusboom erfasst auch Zermatt.

Von Anfang an ein Erfolg

Alexander Seiler gründet darum nicht nur das Hotel Monte Rosa. Er setzt sich auch für eine Bahnverbindung zwischen Visp und Zermatt ein. Denn nur eine bequeme Anreise beschert dem Dorf mehr Gäste. Am 17. November 1888 beginnen die Bauarbeiten für die Bahnlinie, und schon im Juli 1890 kann die Strecke Visp-Stalden den Betrieb aufnehmen. Die Teilstrecke bis Zermatt muss immer noch zu Fuss oder mit dem Muli bewältigt werden. Später können auch Pferdekutschen fahren. Aber bereits ein Jahre später (1891), wird die Bahnstrecke bis Zermatt eingeweiht und der fahrplanmässige Sommerbetrieb aufgenommen. Dem Pionier Alexander Seiler ist es allerdings nicht vergönnt, eine Bahnfahrt zu geniessen. Er verstirbt am 10. Juli 1891, wenige Tage vor der Einweihung der Bahnstrecke. Aber seine Leiche wird mit dem ersten Bahnkurs aus dem Tal gebracht.

Die Passagierzahlen der ersten Sommersaison 1891 sind eindrücklich: 33‘695 Reisende.  Ab 1898 steigt die Zahl der Reisenden nochmals rasant an, weil die Gornergrat Bahn von Zermatt auf den Gornergrat ihren Betrieb aufnimmt. Ab 1933 verkehren die Züge zwischen Brig und Zermatt regelmässig auch im Winter.

Aber der Tourismus hängt auch vom Weltgeschehen ab. Die beiden Weltkriege machen es den Unternehmern am Fuss des Matterhorns nicht leicht. Die Gäste bleiben weitgehend aus. Aber gleich nach dem Zweiten Weltkrieg kommt es wieder zum Aufschwung. Eine Viertel Million Passagiere benützen die Bahn, 1952 wird die Millionenschwelle geknackt, im Jahr 1973 sind es knapp 2 Millionen. Heute zählt die Strecke Visp-Zermatt jährlich über 3 Millionen Passagiere.

Naturgewalten und die Sicherheit

Die Bahnstrecke Visp-Zermatt ist im Laufe der 125 Betriebsjahre immer wieder Naturgewalten ausgesetzt: Hochwasser, Murgänge, Steinschlag und Lawinenniedergänge zerstören immer wieder Teile der Bahn-Infrastruktur.

Heute sichert ein ausgeklügeltes und weit verzweigtes Netzwerk von Sensoren, Lasern und Frühwarnsystemen die Talschaften. Zahlreiche Organisationen arbeiten Hand in Hand, rund um die Uhr: die Bahn, Fachkräfte des Kantons Wallis und der Gemeinden. Hinzu kommen Wissenschaftler, die die Berge mit den neuesten technologischen Mitteln beobachten. Denn es bleibt eine Tatsache: das Nikolai-Tal ist das am tiefsten eingeschnittene Tal der Schweiz, flankiert von Bergriesen wie beispielsweise der Mischabelgruppe mit Dom (4‘545 m) und Täschhorn (4‘491 m).

 

Information zur Jubiläumsveranstaltung vom 22. Juli 2016

 

Quellen:

● „Erinnern Sie sich – Zermatt – Täsch – Randa“, von Klaus Julen und Pino Mazzone, Rotten Verlag, Mengis Druck, Visp, 2002
● „Eine vergessene Welt – die Berglandwirtschaft in Zermatt“ von Klaus Julen und Oswald Perren. Rotten Verlag, Mengis Druck, Visp, 1998.
● „Zermatt-Bahn – vom Tal zum Berg“, mit Beiträgen von Remo Perren, Luzius Theler, Hugo Sarbach, Bernard Truffer und Hannes Taugwalder, Rotten-Verlag, Mengis Druck, Visp, 1991
● „Brig – Visp – Zermatt – Geschichte und Rollmaterial“, Theo Stolz, Dieter Schopfer, Union Druck, Solothurn, 1983.


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