Solarpreis 2010 für Zermatt Bergbahnen

03.09.2010

Das Matterhorn glacier paradise (Klein Matterhorn) in Zermatt mit seiner Aussichtsplattform auf 3'883 m ü.M. ist der sonnenreichste Ort der Schweiz. Was liegt näher, als diese umweltfreundliche Energie auch zu nutzen. Das von den Zermatt Bergbahnen AG auf die Wintersaison 2008/09 eröffnete Solar-Restaurant an der Südflanke des Gipfels produziert sämtlichen Strom für Heizung und Lüftung mit einer in die Fassade integrierten Photovoltaik-Anlage. Der Bau erfüllt dank optimierter Bauweise die Anforderungen des Minergie-P Standards. Das Energiekonzept hat Vorbild-Charakter für den gesamten alpinen Raum und wurde deshalb am 03.09.2010 in Zürich mit dem Solarpreis 2010 für Neubauten ausgezeichnet. Doch für die Zermatt Bergbahnen AG bedeutet dies nur ein erster Schritt hin zur intelligenten Nutzung der Solarenergie für den Betrieb ihrer Infrastruktur.

"Das ist für uns die Bestätigung, dass wir auf dem richtigen Weg sind", sagte Christen Baumann, CEO der Zermatt Bergbahnen, heute anlässlich der Entgegennahme des Solarpreises 2010. Mit ihren wegweisenden Projekten setzen die Zermatt Bergbahnen AG die Reihe der Pionierleistungen fort, die vor über 200 Jahren in Zermatt ihren Anfang fanden: Bereits 1767 machte der Genfer Naturforscher und Erstbesteiger des Klein Matterhorn, Horace Benedict De Saussure, hier erste Experimente zur Nutzung der Sonnenenergie. Das erstaunt nicht: Mit über 2500 Sonnenstunden im Jahr ist das Matterhorn glacier paradise die eigentliche ’Sonnenstube der Schweiz’.

Energieeffizienz im hochalpinen Klima

Die Zermatt Bergbahnen AG setzen bei der Entwicklung ihrer Infrastruktur auf drei Pfeiler. Der erste ist die Effizienz: die eingesetzte Energie soll möglichst viel Wirkung erzielen. Erneuerbare Energien bilden den zweiten Pfeiler und der Dritte ist die Nutzung von CO2- freiem elektrischem Strom in Gebäuden und im Betrieb der Anlagen. Das Solarrestaurant am Klein Matterhorn setzt hier an. Einerseits bietet der Neubau den Gästen eine zeitgemässe, attraktive Infrastruktur: Die vorfabrizierte Holzkonstruktion beherbergt im Erdgeschoss einen Shop und ein Restaurant mit 100 Plätzen, im Obergeschoss ein Raum mit 50 Plätzen und eine Unterkunft für 40 Alpinisten. Andererseits setzt er Massstäbe hinsichtlich Energieeffizienz. Auf über 3'800 m.ü.M. ist der Bau extremen klimatischen Verhältnissen ausgesetzt. Windgeschwindigkeiten bis zu 300 Stundenkilometern und Temperaturen von minus 30 Grad Celsius und insbesondere auch das Risiko der Überhitzung durch die intensive Sonnenstrahlung stellten die Planer und Ingenieure vor besondere Herausforderungen.

Photovoltaik und Wärmedämmung 

Die gewählte Konstruktion und das Energiekonzept erfüllen die hohen Anforderungen des Minergie-P Standards. Der gesamte Stromverbrauch für Heizung und Lüftung wird aus der in die Fassade integrierten Photovoltaik-Anlage gewonnen. Eine eigentliche Innovation ist die Hinterlüftung der Fassade. Sie verhindert die Überhitzung der Solarpanels; gleichzeitig kann dadurch die Aussenluft für die Lüftungsanlage vorgewärmt werden. 52 Zentimeter Wärmedämmung und dreifach verglaste Fenster sorgen gleichzeitig für einen geringen Energieverlust. Mit dem Ziel möglichst alle Stoffkreisläufe im Haus zu schliessen, wurden auch im Umgang mit der knappen Ressource Wasser geeignete Lösungen gefunden. Das Gebäude besitzt eine eigene Membranreaktor Kläranlage, dabei kann das gereinigte Abwasser aus Küche und Waschräumen für die Toilettenspülung genutzt werden.

Im nächsten Schritt zum Solar Peak

Jährlich besuchen über eine halbe Million Menschen aus der ganzen Welt das Matterhorn glacier paradise. Die heutige Infrastruktur wird diesen Besucherzahlen nicht gerecht. Die Zermatt Bergbahnen planen deshalb weitere Schritte. "Das Solarrestaurant ist ein erster Schritt in die richtige Richtung, diesen Weg setzen wir fort", kommentiert Verwaltungsratspräsident Hans-Peter Julen, die Zukunftspläne der Bahn. "Mit einer sorgfältigen Gestaltung und umweltgerechter Architektur wollen wir einen Ort schaffen, der es den Besuchern ermöglicht, die fantastische Bergwelt zu geniessen. Die heutige 'Tunnel- und Technik-Atmosphäre' an der Bergstation des Matterhorn glacier paradise wird diesem Anspruch in keiner Weise gerecht. Wir stellen deshalb zurzeit Überlegungen an, wie wir diesen Aussichtspunkt, an dem heute schon hohe Besucherströme verkehren, besser gestalten können". Die Erkenntnisse aus dem Bau des Solarrestaurants fliessen direkt in die Planung des weitgehend energieautarken Gebäudes ein. Vorerst sind die Projektskizzen zu konkretisieren. Diese werden als erstes der Zermatter Bevölkerung vorgelegt und erst dann öffentlich vorgestellt. Die Zermatt Bergbahnen AG werden über die weiteren Schritte in diesem Projekt zur gegebenen Zeit informieren.


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