Gletscher-Archäologie: „Theo“ geht auf Wanderschaft

25.02.2014

Der „Söldner“, der bis anhin im Matterhorn Museum Zermatlantis zu sehen war, ist abwesend. Er wird in der Ausstellung „Frozen Stories“ bis Februar 2015 in Bozen (Südtirol, Italien) im sogenannten „Ötzi-Museum“ ausgestellt.

Bei „Theo“ handelt es sich um die menschlichen Überreste eines Mannes, die in den Achtzigerjahren des 20. Jahrhunderts von Zermattern am Oberen Theodul-Gletscher gefunden wurden. Bis anhin nannte man den Fund den „Söldner“, weil er so viele Waffen auf sich trug. Darunter eine Steinschlosspistole, einen Degen sowie zahlreiche Messer. Von diesem „Söldner“, auch „Theo“ genannt, waren Knochen, Waffen, Kleidungsfragmente und Münzen im Matterhorn Museum Zermatlantis ausgestellt. Jetzt ist die Zermatter Gletscherleiche weg, bis Februar 2015 auf Besuch bei „Ötzi“ in Bozen.

Das Südtiroler Archäologiemuseum in Bozen stellt im Rahmen der Ausstellung „Frozen Stories“ Gegenstände aus, die die Gletscher des Alpenraumes in den letzten Jahren frei gegeben haben. Dabei zu sehen: „Theo“ sowie viele weitere Gegenstände wie Holz, Metall, Leder, Stoff. Sie zeigen auf, dass mit dem rasanten Schwinden der Gletscher eine neuartige Archäologie am Entstehen ist – die Gletscherarchäologie. Die gefundenen und ausgestellten Gegenstände zeigen, dass sich Menschen seit Jahrtausenden im Alpenraum bewegen, auch über die höchsten Pässe hinweg.

Theodulpass als Archäologie-Gebiet

Wie Sophie Providoli vom Geschichtsmuseum Wallis in Sitten erklärt, ist „Theo“ wohl der bekannteste historische Bergtote Europas. Ein Ötzi der frühen Neuzeit. Die Überreste geben einmaligen Einblick in die letzten Momente eines Reisenden aus der Zeit um 1600, mit seltenen gegenständlichen Zeugen täglichen Lebens in dieser Zeit. Das Geschichtsmuseum Wallis ist Besitzer der Fundstücke rund um „Theo“ und bewahrt einen Grossteil davon in seinem Sammlungszentrum auf.

Bevor „Theo“ nach Bozen reiste, wurde er im Geschichtsmuseum Wallis untersucht. Die Walliser Archäologie-Wissenschafter sind jetzt daran, eine Monografie über „Theo“ zu verfassen.