Erlebnisbericht Iglu-Übernachtung

Iglu, Nacht, Schnee, Kälte, Berg. Das ist das Erlebnis, das unvergesslich bleibt – weil alles so anders ist. Die Bilder und Empfindungen setzen sich in Körper und Hirn fest. Jedenfalls haben wir jetzt ein ganz anderes Verhältnis zum winterlichen Nachthimmel.

von  Edith Zweifel

Das Reservations-Mail kam ganz profan daher: Warme Kleider mitnehmen, bequeme Winterschuhe, gute Handschuhe, zwei Mützen, Badekleid, Taschenlampe, Rucksack. „Was ist denn das für eine Kombination“, fragt Kollegin Eleonora. Zwei Mützen und ein Badekleid? Das PDF der Reservation informiert über Anreise mit der Gornergrat Bahn, Abfahrt um 16.24 Uhr ab Bahnhof im Zentrum von Zermatt.

Das Kleingedruckte lesen 

Wir fahren beim Eindämmern mit der Zahnradbahn hoch zum Riffelberg (2‘600 m). Das Matterhorn thront wie eine Diva am Horizont, makellos und wolkenlos. In der Lobby des Hotels Riffelhaus 1853 sitzt ein Grüppchen Leute, die zu uns passen: Moonboots oder Wanderschuhe, Skianzug oder dicke Winterjacke. Dann kommt Aldo: „Ich bin Euer Guide“, erklärt er locker in drei Sprachen. Alle hören aufmerksam zu. Er wirkt so souverän, dass man sich gerne mit ihm ohne weiteren Fragen in die kalte Winternacht begibt. Dann geht’s mit der Bahn hoch bis Rotenboden. Inzwischen ist es stockdunkel. Wir klauben die Taschen- und Stirnlampen aus dem Rucksack hervor. Der Piste entlang geht’s hinunter zum Iglu-Dorf (2‘727 m). Die Nacht zeigt Millionen Sterne und als Gesamtes auch die Milchstrasse, die eine Bahn von Ost nach West zieht. Keine Lichtverschmutzung von naheliegenden Städten – das macht den Himmel sternenklar.

Iglu Dorf - die Kota.
Das Holzhäuschen zum Aufwärmen am Holzofen: die Kota.© Zermatt Tourismus

Höhe und Wasserverlust 

Es sind alle 23 Gäste für diese Nacht im Iglu-Dorf angekommen. Vom „Dorf“ sind im Dunkeln nur ein paar unscheinbare Schneehügel zu sehen. Eine Kerze flackert bei einem schwarzen Loch. Da gehen wir hinein. Und es tut sich eine neue Welt auf. Die Kuppeln der Iglus sind hoch und fein geschliffen, bläuliches Weiss schimmert. Überall Kerzen. Wir sitzen auf dicken Fellen und trinken Glühwein, Tee und heisses Wasser. „Trinken, trinken, trinken“, hat uns Aldo eingeschärft. In der Höhe verliere der Körper viel Flüssigkeit. Und Aldo erklärt uns den Bau der Iglus: mit Kunstschnee werden Schneehaufen produziert. Pistenbullys schieben die Schneemassen über Ballone, die die Form eines Ganges oder einer Iglu-Wölbung haben. Wände und Decken weisen zwei Meter Durchmesser auf und vermögen einen darüber fahrenden Pistenbully locker zu tragen. Dann geht’s zur Schlaf-Iglu-Besichtigung: weiche Pelze überdecken warme Matten, darauf liegen dicke Schlafsäcke. Wir zwei teilen unseren Iglu mit einem Pärchen aus Frankreich. Die Rucksäcke lassen sich an knorrigen Ästen, die ins Eis an der Wand eingelassen sind, aufhängen. Kerzen und ein kleines Lämpchen erhellen den Schlafraum. Als Nachtessen gibt es Fondue. Es wärmt und gibt das wohlige Gefühl der Abenteuergemeinschaft. Eine Familiengruppe aus sechs Personen erweist sich als äusserst lustigste Truppe – aufgestellt, für Scherze zu haben, und immer mit treffenden Kommentaren: etwa zum Holz-WC, wie ein Thron gestaltet, im Love-Nest-Iglu.

Schneeschuhtour bei Vollmond 

Wer sich für die Romantik in der Winternacht auf knapp 3000 Meter Höhe interessiert, sollte sich zwei Dinge überlegen: möchte ich Vollmond mit blauweiss schimmernden Viertausendern erleben? Oder lieber die kristallklare dunkle Winternacht, bei der die Milchstrasse sich wie ein breiter farbiger Nebelschwaden mit Millionen Sternen über das Himmelszelt zieht? Wir haben den Fast-Vollmond gewählt, eineinhalb Tage nach dem Vollmond. Das pure „Wow“-Erlebnis. Schneeschuhe und Stöcke werden uns von der Iglu-Crew bereit gelegt. Dann stacksen wir hinter Aldo her durch den Schnee, in die Höhe. Der Mond ist aufgegangen. Wir sehen die Pistenbully mit riesigen Schweinwerfern über die Skipisten fahren, bei Trockener Steg und beim Klein Matterhorn, wo sie die Pisten herrichten. Die Höhen- und Weiten-Verhältnisse bekommen in der Nacht ein Eigenleben. Aldo zaubert Minibecher und einen Schnaps aus dem Rucksack, als wir auf unserer Minischneeschuhtour den „Gipfel“ erreichen, ein kleines Hügelchen, das Überblick gibt. Der Blick aufs mondbeschienene Matterhorn in dieser nächtlich-surrealen Bergwelt ist unvergesslich.

Rückmarsch bei Sonnenaufgang zur Bergbahnstation.
Rückmarsch bei Sonnenaufgang zur Bergbahnstation.© Zermatt Tourismus

Die Nase als Gradmesser 

Kollegin Eleonora zieht sich nach der Schneeschuhtour in der warmen Kabine um und steht plötzlich in Bikini und Mütze in der Kälte von minus zehn Grad bereit. Plumps, und sie sitzt im warmen und sprudelnden Jacuzzi-Wasser. Im Hintergrund leuchtet die Matterhorn Ostwand. Warmes Wasser, kalte Winternacht – eine spannende Kombination. Und bald sind wir müde, denn Höhenluft mit Kälte machen irgendwann schlapp. Wir schlüpfen in die eiskalten Schlafsäcke. Die Kapuze lässt sich zuziehen. Der Schlafsack erwärmt sich langsam vom Körper. Doch bald die bange Frage: kann eine Nasenspitze so kalt sein?! Sie ist eisig. Aber nach rund 30 Minuten hat sich der Körper angepasst, die Nasenspitze wird warm und macht nicht mehr auf Alarm. Der Körper entspannt sich und versinkt in die Welt der Träume. Plötzlich, mitten in der Nacht, zieht jemand am Schlafsack. Ach so, schon 7.30 Uhr! Barbara von der Iglu-Crew hat uns geweckt, mit einem Aufwachtee. Wir wechseln die Skiunterwäsche mit Outdoor-Bekleidung, packen den Rucksack und versammeln uns beim Iglu-Ausgang. Ein paar Hobbyfotografen und Handy-Aktivisten hauen ab, denn die Verlockung ist gross, das Matterhorn mit dem rosa Himmel vor Sonnenaufgang zu fotografieren. Ein unvergesslicher Anblick. Dann Fussmarsch hinunter zum Riffelberg, wo das Frühstücksbuffet im warmen Hotel wartet. Man sieht, die einen haben sehr gut geschlafen, andere sehen übernächtigt aus. „Ich hatte vor dem Einschlafen etwa eine Stunde lang das Gefühl, zu wenig Luft zu bekommen“, erzählt eine Städterin aus Zürich. Eine Mailänderin erzählte vom Horror, mitten in der Nacht mit Stirnlampe aufs WC gehen zu müssen. Aber es ist kein Lamento herauszuhören, viel mehr eine unglaubliche Begeisterung. Das jedenfalls zeigen die begeisterten Augen, die ausladenden Bewegungen beim Gestikulieren und der sehnsüchtige Blick zurück ins Iglu-Dorf.

Tipps für die spannende Iglu-Übernachtung 

  • Das Kleingedruckte im Info-Mail gut lesen
  • Sich an die Tipps für die Ausrüstung halten
  • Eine gute Kamera mitnehmen, denn die Attraktivität des Sonnenaufgangs am Matterhorn ist kaum zu überbieten
  • Das Abenteuer mit den besten Freunden machen
  • Genügend trinken, sonst gibt’s Kopfweh. Auch wenn der Gang zur Toilette Anlaufzeit braucht.

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